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Bundesfreiwilligendienst statt FSJ | Stuzubi

Bundesfreiwilligendienst statt FSJ

Cynthia absolviert einen Bundesfreiwilligendienst in der Psychiatrie.

Wie Berit gehörte auch Cynthia nicht zu den Abiturienten, die eine Auszeit nach der Schule von Anfang an fest eingeplant hatten. „Ich habe immer gesagt, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst ist nicht meines“, erinnert sie sich. Wie es dazu kam, dass sie sich dennoch auf einen sozialen Bundesfreiwilligendienst in der Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth bewarb? „Ich will Psychologie studieren, da ist es von Vorteil, vorher zu wissen, wie das in der Praxis aussieht“, erklärt sie. Von der Möglichkeit eines Bundesfreiwilligendienstes in der Psychiatrie habe ihr eine Bekannte ihrer Mutter erzählt. Daraufhin habe sie sich spontan umentschieden, ihren Studienbeginn um ein Jahr verschoben und die Stelle angetreten.

Cynthias Arbeitstag beginnt meistens um 7 Uhr morgens. „Ich wollte die Frühschicht, damit ich nachmittags noch Zeit für mich habe“, sagt sie. Wenn die Schwester bei den Patienten ihre Morgenrunde dreht, ist Cynthia dabei. Als sie ihren Bundesfreiwilligendienst im sozialen Bereich begonnen habe, habe sie noch Vorbehalte gegenüber psychischen Erkrankungen gehabt, gibt sie zu. Diese hätten sich aber schnell zerstreut: „Ich hatte schon ein bisschen Angst, aber unsere Patienten sind Menschen wie du und ich, man kann ganz normal mit ihnen reden.“

Auf ihrer Station werden zum Beispiel Panikattacken, Essstörungen, Traumata oder selbstverletzendes Verhalten behandelt. Die Patienten sind meistens jung, viele sind in Cynthias Alter. „Eine der wichtigsten Regeln ist es aber, die Distanz zu wahren und sich nicht mit ihnen anzufreunden“, erklärt sie. Zu viel Nähe schade der Therapie und damit den Patienten. Deshalb sei sie mit allen per Sie: „Das ist bei Gleichaltrigen ein bisschen komisch, aber man gewöhnt sich daran.“ Wichtig sei auch, innerlich Abstand zu halten und sich die Schicksale nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Diesen Rat habe sie von ihrer Vorgesetzten gleich am ersten Tag im Bundesfreiwilligendient bekommen: „Es bringt den Patienten nichts, wenn man sie bemitleidet.“ Sich an diese Empfehlung zu halten falle ihr leichter, als sie gedacht habe. Eigentlich sei sie ein sehr empathischer Mensch: „Ich bin schon eher einer der Kandidaten, die nach der Arbeit alles mit nach Hause nehmen.“ Die Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag in der Psychiatrie zu verarbeiten sei aber kein Problem für sie: „Um 15.15 Uhr habe ich Feierabend, und dann ist Schicht im Schacht.“ Anders als in der Schule habe man im Beruf nach Arbeitsende wirklich frei. Dies empfinde sie als große Erleichterung. Die Umstellung vom Schul- auf den Arbeitsalltag sei deshalb einfach für sie gewesen.

Freiwilligendienst im Krankenhaus

Im Dienst unterstützt Cynthia bei ihrem Freiwilligendienst im Krankenhaus ähnlich wie beim FSJ das Pflegepersonal vor allem bei Verwaltungsaufgaben. Die Bürokratie im Klinikalltag sei immens: „Das hat mich wirklich überrascht.“ Die Teilnehmer der Freiwilligendienste tragen zum Beispiel den Blutdruck der Patienten in Listen ein, geben Essenspläne in den Computer ein und drucken Therapiepläne aus. Manchmal begleite sie die Patienten auch bei längeren Wegen durch die Klinik oder zeige Neuankömmlingen ihr Zimmer und helfe bei der Einrichtung des WLAN-Zugangs: „Da unterhält man sich dann schon mal.“ Intensivere Kontakte zu den Patienten gebe es aber nicht.

Jedoch nimmt Cynthia beim Freiwilligendienst im Krankenhaus auch an den Teambesprechungen teil, bei denen Pflegekräfte, Ärzte und die Psychologen der Station anwesend sind. Auf den Sitzungen werde auch besprochen, welche Erfolge bei den Patienten in den verschiedenen Therapieformen erzielt worden seien: „Das ist sehr interessant.“

Ihre Einblicke in die Psychiatrie hätten ihren Berufswunsch gefestigt, betont Cynthia: „Das alles hat mich nicht im Geringsten abgeschreckt, sondern eindeutig bestärkt. Wenn ich die Psychologen hier sehe, denke ich mir nur, das ist genau das, was ich später einmal machen will.“ Nach ihrem Bundesfreiwilligendienst werde sie sich auf jeden Fall an der Universität für den Studiengang Psychologie einschreiben.

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