Geheimtipp: Interior Design Ausbildung in Köln

Interior Design Ausbildung an der Fachschule des Möbelhandels: Ein Designer visualisiert eine Kücheneinrichtung © Adobe Stock

Innenarchitekt*in zählt seit vielen Jahren zu den Trendberufen. Allerdings muss es nicht immer das klassische Innenarchitekturstudium sein, wenn du Expert*in für Interior werden möchtest. In Köln beispielsweise gibt es eine spezielle Bildungseinrichtung für die Möbelbranche: die Fachschule des Möbelhandels. Die staatliche Berufsfachschule ist bundesweit die einzige ihrer Art und bildet unter anderem Interior Designer*innen und Betriebswirt*innen mit den Schwerpunkten Einrichtung oder Küche aus.

Studium und Ausbildung im Bereich Interior Design

    Lieber mehr Spaß als mehr Sicherheit: Warum Anna und Laurenz sich für die Interior Design Ausbildung und die Möbelbranche entschieden haben

    Eigentlich war Anna Ladendorf die Leidenschaft für Interior schon in die Wiege gelegt. „Meine Eltern sind Inneneinrichter und auch meine Großeltern waren beide Innenarchitekten“, erzählt die 27-jährige aus Lübeck. Im Sommer 2026 hat sie das Studium zur Interior Designer*in an der Fachschule des Möbelhandels absolviert. Zu ihrem Studiengang kam sie jedoch auf Umwegen. Schon wegen ihres familiären Hintergrunds sei es naheliegend gewesen, dass auch sie selbst einmal in die Möbelbranche gehen werde, sagt sie: „Auch der kreative Aspekt war immer ein Punkt bei mir, schon seit ich klein war.“

    Nach dem Abitur startete sie allerdings erst einmal eine Karriere in einem anderen Bereich: bei der Bundeswehr. „Ich wollte etwas ganz anderes machen, weil ich dachte, Interior ist vielleicht nur so eine Familiensache bei mir“, erklärt sie. Nach einiger Zeit habe sie jedoch festgestellt: „Das ist doch auch mein Ding.“

    Ihren sicheren Job aufzugeben und ihr Studium als Interior Designerin zu beginnen sei ihr nicht schwergefallen. Nach vier Jahren bei der Bundeswehr habe sie gemerkt, dass ihr Sicherheit nicht so viel wert sei wie Kreativität, Freiheit und Spaß. „Ich glaube, eine Ausbildung zu machen und dann ein Leben lang in diesem Beruf zu bleiben, so wie es vor 20 Jahren war, das ist heute sowieso nicht mehr so“, sagt sie. Deshalb sei es ihr wichtiger, sich in Job persönlich frei entfalten und entwickeln zu können.

    Auch bei Laurenz te Wildt lag die Priorität bei der Berufswahl klar bei der Freude an der Arbeit und nicht in erster Linie bei der Jobsicherheit. „Da bin ich ganz bei Anna, natürlich ist Sicherheit wichtig, aber ein sicherer Job bringt einem nichts, wenn man bei der Arbeit nur unglücklich ist“, sagt der 20-jährige aus Emmerich am Rhein, der an der Fachschule des Möbelhandels ein duales Studium zum staatlich geprüften Betriebswirt in Kombination mit einer Berufsausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert.

    Anders als Anna hat sich Laurenz aber weniger wegen der kreativen Aspekte für sein Studium entschieden. „Bei mir war es eher das Kommunikative, der Kontakt zu den Menschen“, erklärt er. Was er jedoch mit Anna gemeinsam hat: Auch er kam über seine Familie zur Fachschule des Möbelhandels in Köln. „Mein Opa und mein Onkel waren in der Möbelbranche“, berichtet er. Sein Onkel habe ihm die Schule empfohlen.

    Interior Design Ausbildung an der Fachschule des Möbelhandels: Studierende mit Farbpaletten und Teppichmustern © Adobe Stock

    Geheimtipp über Generationen: Die staatliche Fachschule des Möbelhandels in Köln ist deutschlandweit die einzige ihrer Art – und kaum bekannt

    Der familiäre Bezug sei typisch für die Schüler*innen seiner Schule, sagt Laurenz: „Wenn man in die Klassen schaut, ich würde sagen, etwa 80 Prozent haben diesen familiären Hintergrund.“ Einer der Gründe: Obwohl sie die einzige staatliche Berufsfachschule für den Möbelhandel in ganz Deutschland ist, ist die Kölner Bildungseinrichtung ein Geheimtipp. „Wenn ich meinen Freunden erzähle, was ich mache, sagen die immer ‚oh, krass, die Schule kenne ich gar nicht, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt‘“, berichtet Anna.

    Dabei gibt es die Fachschule des Möbelhandels schon seit Ende der 1930er Jahre. Gegründet worden sei die Einrichtung ursprünglich in Berlin, sagt Linda Wilhelm, Leiterin des Bildungsgangs Interior Design Einrichtungen. Seit Ende der 1950er Jahre sei die Schule in Köln ansässig.

    Obwohl die Schule oft als Geheimtipp von Generation zu Generation weitergegeben werde, stehen die Ausbildungen und Studiengänge allen Bewerber*innen offen. Voraussetzung für das duale Studium ist mindestens das Fachabitur. Wer sich für das zweisemestrige Studium zur Interior Designer*in bewirbt, muss entweder eine Berufsausbildung und ein Jahr Berufserfahrung oder fünf Jahre berufliche Erfahrungen mitbringen.

    Im Fokus der Studiengänge und Ausbildungen steht der Bezug zur Möbelbranche mit vielen Praxiselementen und Exkursionen. Im Studium sei sie etwa in einer Gerberei gewesen, auf verschiedenen Messen und einmal sogar bei einem Galaabend in Berlin, schwärmt Anna: „Es ist Wahnsinn, was man da schon während der Schulzeit für ein Netzwerk aufbaut.“

    Alle Ausbildungen und Studiengänge schließen mit einer staatlichen Prüfung ab. Der Abschluss ermögliche zum Beispiel Tätigkeiten bei Innenarchitekten, in Planungsbüros oder bei Möbelhäusern, sagt Wilhelm. Allerdings können sich die Absolvent*innen auch auf Jobs außerhalb der Möbelbranche bewerben, etwa im Social Marketing oder anderen Bereichen im Handel wie Fashion oder Food.

    Schöne Sofas, anspruchsvolle Kunden, Basiswissen in BWL und ein Tick Handwerk: Was du in der Interior Design Ausbildung erlebst und lernst

    Am besten ausgebildet sind die Absolvent*innen jedoch für Jobs in der Möbelbranche. In seinem dualen Studium lernt Laurenz unter anderem im Fach Möbelkunde, wie Möbel aufgebaut sind und aus welchen Materialien sie bestehen. Hinzu kommt Wissen aus der Betriebswirtschaftslehre (BWL), der Volkswirtschaftslehre (VWL) und dem Marketing. „Da geht es dann um Kommunikationsmodelle, wie rede ich mit den Kunden, dem Personal, dem Arbeitgeber.“ Außerdem bekommen die Studierenden Methoden an die Hand, um später einmal ein Unternehmen zu führen oder sogar zu gründen.

    Im Interior Design Studium fehlen die Bereiche VWL und Marketing, dafür nehmen gestalterische Aspekte eine größere Rolle ein, berichtet Anna: „Wir haben Darstellungskunde, Programmplanung und computergesteuerte Raumplanung.“ Die Studierenden lernen, wie Räume vorteilhaft eingerichtet werden und welche Farbkombinationen sich anbieten. Sie befassen sich mit Polstertechniken und Holzarten, erfahren, welche Heimtextilien es gibt, und üben Verkaufstechniken.

    „Wir bekommen von allen Ausbildungen, die es in der Branche gibt, etwas mit“, erklärt Anna. Sie arbeite zwar nicht direkt mit Holz und könne kein Sofa bepolstern, „aber wenn ich ein Stück Holz sehe, weiß ich, von welchem Baum das kommt, und ich kenne die verschiedenen Arten von Polsterungen.“ Interessiere sich ein Kunde beispielsweise für eine Couch, „dann kann ich sagen, hier ist ein Mensch, der ist so und so groß und so und so schwer, und deshalb empfehle ich dieses Sofa.“ Ihr Studium befähige sie, „Möbel zu verkaufen, die zum Geschmack und zum Lebensstil des jeweiligen Kunden passen.“

    Interior Design Ausbildung an der Fachschule des Möbelhandels: Studentin mit Farbpalette und Einrichtungsfoto © Adobe Stock

    Wie der Wohnungsbau und die Digitalisierung im Handel die Möbelbranche beeinflusst – und welche Auswirkungen das auf künftige Jobs hat

    Doch werden die besonderen Fähigkeiten der Interior-Expert*innen auch in Zukunft noch gebraucht? Die Möbelbranche sei gerade in schwierigen Zeiten, räumt Linda Wilhelm ein, Leiterin des Bildungsgangs Interior Design Einrichtungen. Trotzdem würden Möbel weiterhin gekauft. Wie viel in Einrichtung investiert werde, hänge jedoch auch vom Wohnungsbau ab, sagt Philipp Stopka, Leiter des Bildungsganges für Betriebswirte. Der Wohnungsmarkt sei „komplett eingebrochen“. Wenn nun jedoch wieder mehr gebaut werde, „dann kommt das natürlich auch der Möbelbranche sehr zugute.“

    Wie der gesamte Handel befinde sich jedoch auch die Möbelbranche gerade im Wandel. Einer der Gründe: die zunehmende Digitalisierung. Gerade in Möbelhäusern seien die Strukturen teilweise noch stark veraltet: „Meine Eltern hätten zum Beispiel niemals ein Poltermöbel online gekauft, im Leben nicht.“ Mit Marken wie Westwing gewinne nun aber der Onlinehandel zunehmend an Bedeutung und sei vor allem bei der jungen Generation beliebt: „Und da sehe ich eine Riesenchance bei unseren Studierenden, dass sie genau da reingehen“, sagt Stopka. Wer die Fachschule des Möbelhandels absolviere, arbeite später nicht zwangsläufig in einem Möbelhaus oder Küchenstudio: „Unsere Leute gehen ja später auch zu Herstellern und Verbänden, wo man einen großen Hebel auf die Branche hat.“

    Auch Anna hat festgestellt, „dass viele Möbelhäuser nicht mit der Zeit gehen und sehr veraltet sind.“ Deshalb brauche es jetzt „Leute wie Laurenz und mich, die frischen Wind reinbringen und das alles wieder jung machen.“

    KI in der Möbelbranche – kommt die Designer Küche künftig aus dem PC?

    Aber was, wenn künftig nicht gut ausgebildete Mitarbeiter*innen, sondern Computer mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) die Jobs in der Möbelbranche übernehmen? Bei der Einrichtungsplanung werde KI teilweise bereits genutzt, sagt Wilhelm: „Aber das funktioniert nicht gut, da stimmen dann entweder die Maße nicht, oder es ist der falsche Hersteller oder nicht der richtige Preis.“ Stopka geht indes davon aus, dass die Tools weiterentwickelt werden und künftig komplette Planungen übernehmen können. Grundsätzlich stehe er dem Einsatz von KI offen gegenüber, wenn sie reflektiert genutzt werde. Ein konstruktiver Umgang mit KI könne viel unnötigen Workload reduzieren: „Dann ist es ein absoluter Mehrwert.“

    Jedoch sehe er KI-generierte Einrichtungskonzepte eher im Niedrigpreissegment: „Das ist für Leute, die zum Beispiel möglichst schnell und günstig irgendeine Küche wollen.“ Wer dagegen für eine Küche 30.000 Euro ausgebe, wolle sich in der Regel beraten lassen, „da bin ich dann froh, wenn dort jemand wie Laurenz sitzt und sagt, schau mal, hast du auch schon an die Farbe gedacht.“ Vor diesem Hintergrund gehöre die Möbelbranche sogar zu den besonders zukunftssicheren Berufsfeldern, sagt Laurenz: „Überall wo es um Kommunikation und Beratung geht, ist der Mensch nicht durch KI ersetzbar.“

    Auch für die gestalterische Kreativität seien KI-Tools nicht geeignet, ergänzt Anna. „Jemandem zu zeigen, wie er so wohnt, dass er sich wohlfühlt, das kann die KI nicht, weil sie lebt ja selbst nicht, das kann nur ein Mensch“, sagt sie. Gut einsetzen lasse sich KI jedoch, um umständliche Aufgaben abzuarbeiten und so Prozesse zu optimieren.

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    Eigenes Küchenstudio oder Marketing-Agentur – die Karriere-Träume angehender Interior-Expert*innen

    Daran, dass Jobs in der Möbelbranche weiterhin Zukunft haben, glauben Laurenz und Anna fest. Laurenz kann sich zum Beispiel gut vorstellen, später einmal ein eigenes Küchenstudium zu eröffnen. Vorher wolle er aber erst noch Berufserfahrung sammeln, sagt er: „Vielleicht auch in der Industrie oder bei einem Hersteller.“ Anna dagegen hat vor Kurzem einen Job bei einer Handelsagentur im Vertrieb angefangen. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, Möbelhäusern Marketingpakete mit Social Media Content anzubieten, Messekonzepte mit auszuarbeiten und die Branche zu vernetzen.

    Auch du interessierst dich für eine Interior Ausbildung? Kennenlernen kannst du die Fachschule des Möbelhandels auf der Berufsorientierungsmesse Stuzubi in Köln, wo die Berufsfachschule mit einem Messestand vertreten ist.


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