Manche engagieren sich bei Schulstreiks und Demos gegen den neuen Bundeswehr Wehrdienst – andere finden den Einblick in die Arbeit der Bundeswehr sinnvoll. Das Gesetz zum Freiwilligen Wehrdienst, das am 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist, hat in der jungen Generation sowohl Befürworter*innen als auch Gegner*innen. Und beide haben gute Argumente:
Eschel Ewert, 17, aus Tornesch bei Hamburg, Landesschülersprecher der Gymnasien in Schleswig-Holstein, befürwortet den neuen Bundeswehr Wehrdienst*

Das neue Gesetz zum Freiwilligen Wehrdienst halte ich für notwendig. Es mag ein paar berechtigte Kritikpunkte geben, zum Beispiel dass junge Menschen vorab nicht ausreichend einbezogen wurden. Aber die nun beschlossene Regelung ist aus meiner Sicht richtig und notwendig. In der aktuellen Weltlage ist militärische Stärke für die Sicherheit eines Landes unerlässlich. Die Bedrohung durch Russland ist faktisch vorhanden, real und alltäglich erlebbar. Deshalb müssen wir die Bundeswehr stärken und zur Landesverteidigung bereit sein. Diese Stärke ist jetzt nötig, um abzuschrecken, um weiter nach unseren Werten der demokratischen Grundordnung frei leben zu können.
Die Demonstrant*innen, die sich unter anderem bei Schulstreiks gegen den neuen Wehrdienst eigesetzt haben, halte ich für eine Minderheit. Ihre Aussagen spiegeln nicht die Position der Jugend im Gesamten wider.
Hinter der Aussage, dass wir durch den neuen Wehrdienst den Frieden verlieren würden, steckt Populismus. Die Aktivisten verweigern sich der Realität, dass die Bedrohungslage realistisch ist, und suchen sich einen anderen Feind in der Politik, den sie bekämpfen können.#
Die Mehrheit der Jugendlichen möchte, so glaube ich, Verantwortung für das Gemeinwesen und unsere Freiheit übernehmen. Ich bin überzeugt davon, dass durch den Freiwilligen Wehrdienst genügend junge Menschen für die Bundeswehr gewonnen werden können. Die Bereitschaft zur Landesverteidigung oder für einen gesellschaftlichen Dienst als Alternative kann außerdem auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Das wäre ein positiver Nebeneffekt in Zeiten der Polarisierung.
Falls sich nicht genügend junge Leute für den Freiwilligen Wehrdienst melden, wäre eine Widereinführung der Wehrpflicht aus meiner Sicht unvermeidbar. Das Recht zur Kriegsdienstverweigerung würde dabei ja erhalten bleiben. Das ist auch wichtig. jeder Mensch hat das Recht den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern. Für naheliegend halte ich es daher, statt nur der Wehrpflicht einen allgemeinen, verpflichtenden Gesellschaftsdienst für alle einzuführen, bei dem man zwischen der Bundewehr und einem zivilen Dienst wählen kann. Wenn sich das nicht umsetzen lässt, würde ich aber auch unabhängig davon die Wiederaufnahme der Wehrpflicht befürworten, wenn die Zahl der Freiwilligen nicht ausreicht.
*Die Stellungnahme gibt die persönlichen Meinungen des Sprechers wieder und ist nicht als offizielle Position der Organisation zu verstehen.
Lucienne Balke, 17, aus dem Kreis Mansfeld-Südharz bei Leipzig, Vorsitzende des Landesschülerrats Sachsen-Anhalt, ist gegen den neuen Bundeswehr Wehrdienst

Wir vom Landesschülerrat Sachsen-Anhalt haben uns klar gegen den neuen Wehrdienst ausgesprochen. Uns stört, dass wir als junge Generation nicht in die Diskussion mit einbezogen wurden. Entschieden wurde im Bundestag. Das Durchschnittsalter der Bundestagsabgeordneten ist 47 Jahre, sie sind von dem neuen Gesetz überhaupt nicht betroffen. Demokratie heißt mitreden und mitbestimmen, das hier aber nicht passiert.
Die Schulstreiks gegen den Wehrdienst fand ich richtig. Auch wenn das Gesetz jetzt trotzdem kam, war es schön zu sehen, dass junge Leute ihr Recht auf Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit genutzt haben und für Dinge, die ihnen wichtig sind, einstanden.
Der Hauptgrund, warum wir gegen das Gesetz sind: Aus dem Freiwilligen Wehrdienst kann schnell eine Wehrpflicht werden, die Hürden dafür sind jetzt viel niedriger. Vielen jungen Menschen macht das Angst. Außerdem sind die Musterungen, die ab 2027 kommen sollen, schon jetzt verpflichtend. Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre und kann der mentalen Gesundheit junger Menschen schaden.
Es ist zwar eine Utopie, ganz auf Militär verzichten zu können, in der realen Welt brauchen wir die Bundeswehr. Aber mich stört der Zwang. Bei der jungen Generation wurden so viel Gelder gestrichen, weil wir eine Minderheit sind. Und jetzt sollen wir zur Landesverteidigung verpflichtet werden. Das finde ich nicht richtig, ebenso wenig wie ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, das zur Diskussion steht. Wenn man eine ganze Generation für ein Jahr aus dem Arbeitsprozess herausnimmt, würde das den Fachkräftemangel spürbar verschärfen. Außerdem haben viele von uns einfach andere Pläne.
Statt auf Zwang zu setzen, sollte die Bundeswehr besser ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen. Wobei man hier auch aufpassen muss, dass junge Leute aus sozial schwachen Familien nicht aus finanziellen Gründen gezwungen sind, zur Bundeswehr zu gehen. Für andere Freiwilligendienste wie das FSJ sollten außerdem die Mittel aufgestockt werden. Es stimmt nämlich nicht, dass die junge Generation faul ist. Viele von uns würden sich engagieren, wenn wir mehr Möglichkeiten dazu hätten.

Die Bundeswehr auf der Berufsorientierungsmesse Stuzubi
Auf der Studien- und Ausbildungsmesse Stuzubi kannst du am Messestand der Bundeswehr all deine Fragen zum neuen Bundeswehr Wehrdienst stellen.



