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Ausbildungsberufe in der Mode

Die 21-jährige Feintäschnerin Robin Kester stellt Handtaschen her, kann aber auch Motorradsitze produzieren. Valmir Imeraj (21) und Aaron Lücke (23) absolvieren eine Ausbildung zum Schuhfertiger. Nach dem Abschluss sei auch ein Berufseinstiegin der Auto- oder Bekleidungsbranche und im Handel möglich, erklärt ihr Ausbilder Frank Seeberger. Wie vielfältig die TCLF-Branchen (Textile, Clothing, Leather and Footwear) sind, zeigt derzeit eine Kampagne der EU.

Robin hat sich ein ganz besonderes Segment der Modebranche hat sich Robin ausgesucht. Als Feintäschnerin ist sie Spezialistin für Handtaschen bei der Firma Picard Lederwaren aus Obertshausen. „Mein Vater wollte eigentlich, dass ich in eine Autosattlerei gehe“, erinnert sie sich. Deshalb habe sie ein Schülerpraktikum in diesem Beruf absolviert. Zu den praktischen Aufgaben habe dort auch die Herstellung einer Tasche gehört: „Mein Chef hat damals gesagt, dass das meine beste Arbeit war.“ Ausschlaggebend für ihre Entscheidung zu einer Ausbildung als Sattlerin der Fachrichtung Feintäschnerei sei jedoch eine Stellenanzeige gewesen, die ihr im Rahmen der Berufsberatung an ihrer Schule zugeschickt worden sei: „Das habe ich gesehen und mich beworben.“

Am Anfang ihrer Lehre habe sie vorwiegend Zuarbeiten übernommen. Dies sei wichtig, um ein Gefühl für die anspruchsvolle Arbeit zu bekommen. Etwa 80 Prozent der Tätigkeit sei Handarbeit: „Wir haben eine Nähmaschine, eine Schärfmaschine, eine Spaltmaschine und eine Bügelmaschine, aber es gibt keine Maschine, die Handtaschen produziert.“ Eine Tasche bestehe aus 120 Einzelteilen, und jedes müsse gefärbt, geschliffen und gespalten werden. Auch das Einschlagen der Kanten erfolge per Hand: „Das lernt man nicht an einem Tag.“

Exklusive Handtaschen herstellen

Die Handtaschen, die Robin herstellt, sind Einzelstücke. Wie sie aussehen sollen, zeigt ihr ein Modell aus Papier, das der Mustermacher nach der Zeichnung des Designers erstellt. Um den Entwurf richtig nachbauen zu können, sei räumliches Vorstellungsvermögen wichtig: „Man muss wissen, was man zuerst einschlagen muss, sonst klappt es nicht.“ Gerade zu Beginn der Lehre seien Fehler häufig. Immer wieder sei es ihr passiert, dass sie Teile nicht richtig zugeschnitten habe. Ärger habe es deshalb aber nicht gegeben: „Die Meister sehen das bei den Auszubildenden am Anfang entspannt.“

Obwohl die Handtaschen nach festen Vorgaben gefertigt werden, können die Feintäschner auch eigene Ideen einbringen. Kritik oder auch Vorschläge zur Verbesserung des Herstellungsprozesses würden grundsätzlich positiv aufgenommen. An der Berufsschule lernen die Auszubildenden außerdem, wie man weitere Gebrauchsgegenstände aus Leder oder auch anderen Materialien wie zum Beispiel Textilien oder Kunststoffen produziert. „Ich habe auch schon einen Barhocker und einen Motorradsitz bezogen“, berichtet Robin. Der theoretische Unterricht sei gut zu bewältigen, auch für Auszubildende mit Hauptschulabschluss. Die praktischen Übungen seien aber sehr anspruchsvoll. Eine der Aufgaben sei zum Beispiel gewesen, eine Nähmaschine komplett auseinander- und wieder zusammenzubauen.

Ausbildung mit Auszeichnung

Trotz der hohen Praxisorientierung sei die Ausbildung aber auch bei Schülern mit Hochschulreife beliebt. In ihrer Klasse habe es Lehrlinge ohne Schulabschluss, aber auch acht Auszubildende mit Abitur gegeben: „Eine Kollegin von mir studiert inzwischen Modemanagement an der Goethe-Universität in Frankfurt.“ Für sie komme ein Studium aber nicht in Frage, räumt Robin ein. Stattdessen hat sie vor, sich zur Mustermacherin anlernen zu lassen und künftig die Papiermodelle für die Taschen herzustellen. Grundsätzlich beherrsche sie diese Fertigkeit schon jetzt: „Wenn das gut klappt, traue ich mir vielleicht zu, mich zum Meister weiterzubilden.“

Wie gut Robin ihr Metier beherrscht, zeigt auch ihr Gesellenstück – eine rote Handtasche mit Kroko-Prägung, die von der IHK Offenbach mit einem Preis ausgezeichnet wurde. „Zu besonderen Anlässen trage ich diese Tasche heute noch“, sagt Robin.

Ausbildung zum Schuhfertiger

Mit Leder arbeiten auch Aaron und Valmir. Selbst anziehen können sie ihre Erzeugnisse aber nicht. Sie absolvieren eine Ausbildung zum Schuhfertiger bei dem Kinderschuhhersteller Ricosta aus Donaueschingen. Bei beiden hat es einige Zeit gedauert, bis sie sich für ihren heutigen Beruf entschieden haben. „Nach der mittleren Reife wusste ich noch gar nicht, was ich machen soll“, erinnert sich Valmir. Über ein Berufseinstiegsjahr habe er verschiedene Ausbildungen kennengelernt und dabei auch ein Praktikum bei seinem späteren Ausbildungsbetrieb absolviert.

Aaron fand seine Lehrstelle einige Jahre nach seinem Hauptschulabschluss über ein Stellenangebot. „Ich habe auch lange überlegt und zum Beispiel mit dem Gedanken gespielt, etwas Soziales zu machen“, berichtet er. Für die Arbeit mit Leder begeistere er sich aber schon lange. In seiner Freizeit habe er sich zum Beispiel Handschuhe und Gamaschen genäht. „Als ich das gehört habe, war mir sofort klar, den müssen wir in eine Ausbildung bringen“, sagt sein Ausbilder Frank Seeberger.

Wenn er im Freundeskreis von seinem Beruf erzähle, stoße dies immer auf reges Interesse, berichtet Aaron: „Schuhfertiger zu werden ist nichts Alltägliches.“ Wenn er anderen von seiner Ausbildung berichte, gebe es meistens viele Fragen, sagt auch Valmir: „Die Leute wollen wissen, wie das geht und was ich da mache.“

Ausbildung mit Abwechslung

Die Schuhherstellung finde bei seinem Unternehmen zum großen Teil in Handarbeit statt, erklärt Seeberger. Dabei arbeiten Aaron und Valmir genau nach Vorgabe. Routine entstehe aber trotzdem nicht, versichert Valmir. In der Schuhproduktion werden nämlich immer wieder ganz neue Kollektionen an Schuhmodellen hergestellt. Die Abwechslung bereite ihm an seiner Ausbildung am meisten Freude: „Man macht immer was Neues, ist gefordert und kann sich verbessern.“

An der Berufsschule befassen sich die Auszubildenden im Blockunterricht von jeweils zwei bis drei Wochen mit dem theoretischen Hintergrund ihres Berufs. „Das ganze Wissen über Leder und Materialien ist sehr spannend“, schwärmt Aaron. Insgesamt sei der schulische Teil gut zu bewältigen, findet Valmir. Auch Aaron kommt in der Berufsschule zurecht: „Welche Noten man hat, hängt aber natürlich auch davon ab, wie viel Aufwand man reinsteckt.“

Die Ergebnisse ihrer Arbeit können Valmir und Aaron immer wieder ganz konkret sehen. „Man freut sich über jeden Schuh, den man gemacht hat“, sagt Valmir. Privat achte er beim Schuhkauf nun auf ganz andere Dinge als früher: „Man schaut viel mehr auf die Verarbeitung.“ Nach seinem Abschluss könne er sich eine Weiterbildung zum Techniker oder sogar zum Meister vorstellen. Die Möglichkeiten seien breit und keineswegs auf die Schuhbranche beschränkt, sagt Seeberger: „Man kann auch in die Autobranche, die Möbelbranche, die Textilindustrie oder in den Handel gehen.“ Die Alternative sei, sich in der Schuhbranche, die eher klein sei, einen Namen zu machen, und dann in einer verantwortungsvollen Position zu arbeiten.

Die TCLF-Branchen in Daten und Fakten

Anzahl der Unternehmen der TCLF-Branchen in Europa:rund 225.000, davon 124.700 im Bekleidungssektor, 61.000 in der Textilindustrie und 37.800 im Bereich Leder und Schuhe
Führende EU-Staaten der TCLF-Branchen:Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, Polen, Rumänien
Berufsfelder der TCLF-Branchen:Design, Handwerk und Kunsthandwerk, Technologie und Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Marketing

Mit einem EU-weiten Jahresumsatz von mehr als 200 Milliarden Euro sind die TCLF-Branchen, zu denen Unternehmen der Textil-, Bekleidungs-, Leder- und Schuhindustrie gehören, ein wichtiger Wirtschaftszweig der Europäischen Union. Die Europäische Kommission unterstützt deshalb eine Kampagne, die derzeit junge Menschen unter 30 Jahren über Berufe in den TCLF-Branchen informiert. Auf der Schülermesse Stuzubi Dortmund und Stuzubi München ist die Kampagne mit einem Messestand vertreten. Weitere Infos: openyourmind-tclf.euwww.go-textile.dewww.hdsl.eu/Aus-und-Weiterbildung

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