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Meistern statt posen – Berufe im Handwerk

Mehr als 15.000 Ausbildungsplätze im Handwerk sind unbesetzt geblieben, berichtete das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) in einer Pressemeldung. Grund dafür ist laut einer Studie der steigende Anteil an Abiturienten, die sich nur selten für einen Handwerksberuf entscheiden. Dabei irren sich Schüler mit Hochschulreife, was die Kreativität und Karrieremöglichkeiten im Handwerk angeht, ganz gewaltig. Eine weitere Fehleinschätzung: Viele Jugendliche fürchten einen Verlust an sozialem Status, wenn sie handwerklich arbeiten. Was Gerüchte sind und was Wahrheit ist, erfährst du hier.

  • Im Handwerk gibt es zu wenig Auszubildende.
  • Grund für den Lehrlingsschwund ist Studien zufolge das Statusdenken von Jugendlichen.
  • Möglichkeiten wie Unternehmensgründungen im Handwerk sind bei Abiturienten kaum bekannt.

Schuften bei Kälte im Freien, Schmutz und Schwielen an den Händen – das Bild, das viele Jugendliche von Jobs im Handwerk haben, ist oftmals nicht gerade rosig. Kein Wunder, dass gerade Abiturienten den scheinbar komfortablen Arbeitsalltag im Büro vorziehen. Die Folgen: Handwerker sind rar, und die wenigen, die es noch gibt, sind gefragt wie selten zuvor. Wer einen Klempner oder Dachdecker braucht, muss oft Monate lang warten.

Das BIBB hat nun in einer Umfrage, an der 1.700 Schüler teilnahmen, untersucht, warum es immer weniger Jugendliche ins Handwerk zieht. Denn die Karrieremöglichkeiten und Verdienstaussichten sind in der Branche alles andere als schlecht. Auszubildende erhalten im dritten Lehrjahr teilweise vierstellige Monatsgehälter – und wer sich zum Meister weiterbildet und erfolgreich einen eigenen Betrieb eröffnet, erzielt oft Einkommen, die mit einem Angestelltenjob im Büro in der Regel nicht erreicht werden.

Weshalb so wenig Jugendliche die Chancen ergreifen, die eine Ausbildung im Handwerk bietet? Ein Grund dafür ist laut der Studie des BIBB die steigende Zahl an Abiturienten und deren Statusdenken. Wer eine Hochschulreife habe, verbinde eine Arbeit in Berufen, die auch Hauptschülern offen stünden, mit einem Prestigeverlust, schreibt auch das Forschungsinstitut für Gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW). Das Fazit des BIBB lautet: Jugendlichen gehe es weniger darum, ob eine Tätigkeit interessant sei oder wie gut die Verdienstaussichten seien, sondern wichtig sei ihnen vor allem, mit ihrer Berufswahl bei ihrem Umfeld zu punkten.

Sein eigener Chef werden – im Handwerk einfacher als im Büro

Die Studie zeigte, dass für den Mangel an Auszubildenden im Handwerk hauptsächlich Imageprobleme verantwortlich sind. Bei der Befragung stuften die meisten Schüler typische Handwerksberufe wie Maurer, Maler oder Anlagenmechaniker beim sozialen Ansehen weit unten ein. Anders sieht die Einschätzung von Fachleuten aus der Branche aus. Hier waren die Bewertungen in puncto Prestige deutlich besser.

Auch die Aussichten für eine spätere Selbstständigkeit erschienen den meisten Jugendlichen eher gering. Dabei liegen die Chancen einer erfolgreichen Unternehmensgründung im Handwerk aufgrund der Möglichkeiten zur Meisterprüfung, die auf eine Betriebseröffnung ausgelegt ist, ausgesprochen hoch – im Gegensatz zu den meisten gängigen Büroberufen, in denen der Weg in die Selbstständigkeit oft viel komplizierter ist. Die kreativen Aspekte des Handwerks sind bei Schülern der Studie zufolge ebenfalls nur wenig bekannt und werden weit unterschätzt.

Das bedeutet: Bei der Berufswahl das Handwerk mit einzubeziehen und sich über Ausbildungen in diesem Bereich fundiert zu informieren, lohnt sich – auch für Abiturienten. Freie Ausbildungsplätze sind in der Stuzubi Stellenbörse zu finden.

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