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Alternative zum Jurastudium ist Rechtspfleger

Wer Jura studieren möchte, braucht ein gutes Abitur und viel Disziplin. Eine weitere Hürde: Ist die Note im Staatsexamen nur mittelmäßig, bleiben spannende Jobs wie Richter oder Staatsanwalt für immer ein Traum. Doch das Rechtswesen bietet eine Vielzahl beruflicher Möglichkeiten, nicht nur für Volljuristen – zum Beispiel über das Duale Studium zum Rechtspfleger. Jeannine Weber hat diesen Weg gewählt und ist nun für die Ausbildung von Rechtspflegern am Registergericht in Frankfurt zuständig.

  • Rechtspfleger sind in ihren Entscheidungen unabhängig.
  • Im Berufsalltag bearbeiten Rechtspfleger Akten, haben aber auch Kontakt zu Bürgern und sind mit menschlichen Schicksalen konfrontiert.
  • Unter anderem befassen sich Rechtspfleger mit Erbschafts- und Familienangelegenheiten, Grundbucheintragungen bei Hausverkäufen, Zwangsversteigerungen und Eintragungen von Unternehmen am Registergericht.
  • Voraussetzung für das Duale Studium zum Rechtspfleger ist ein bestandener Einstellungstest in Deutsch, Mathematik und Allgemeinwissen sowie ein psychologischer Test.

„Bei uns muss man gewissenhaft und genau sein“, sagt Jeannine Weber. Wenn sie morgens ins Büro kommt, liegt vor ihr ein Stapel Akten. Ältere Dokumente gebe es beim Registergericht noch in Papierform, vieles sei aber schon rein digital, erklärt sie. Im Lauf des Tages wird die 32-jährige, stellvertretende Sachgebietsleiterin der Registerabteilung eine Reihe an Fällen abarbeiten. Das bedeutet: Als Beamtin im gehobenen Dienst prüft sie zum Beispiel, ob die eingereichten Unterlagen zur Gründung einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) juristisch korrekt sind und das Unternehmen in dieser Form offiziell bei der Behörde eingetragen werden kann.

„Es geht immer darum, den Fehler zu finden“, sagt sie. Die Dokumente, die sie kontrolliert, kommen von den Notaren der Unternehmen, Vereinen oder Genossenschaften, die den Eintrag beantragen. „Es gibt natürlich viele sehr gute Notare“, betont Weber. Ein Jurastudium sei jedoch breit angelegt und vermittle meist nicht das Fachwissen für juristisch korrekte Eintragungen beim Registergericht. Der Notar eigne sich diese Kenntnisse während seiner Berufslaufbahn selbst an: „Aber die eigentlichen Experten dafür sind wir Rechtspfleger.“

Entschieden hat sich Jeannine Weber für diesen Beruf rund ein Jahr vor dem Abitur. Ihr Stiefvater, ein Diplom-Jurist, habe sie damals zu einem Zwangsversteigerungstermin mitgenommen, erzählt sie: „Das war der ausschlaggebende Moment, in dem ich gemerkt habe, dass dieser Weg zu mir passen könnte. Zwangsversteigerungen gehören zu den Rechtspflegeraufgaben schlechthin.“ Sie bewarb sich beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main, wurde aber zunächst abgelehnt. Zwar habe sie die Einstellungstests in den Fächern Deutsch, Mathematik und Allgemeinwissen bestanden: „Aber im psychologischen Test hat sich anscheinend gezeigt, dass ich noch nicht die nötige Reife hatte.“

Jurastudium als Plan B

Der Beruf sei mit einer hohen Verantwortung verbunden, erklärt Weber. Wie Richter und Staatsanwälte seien nämlich auch Rechtspfleger inhaltlich in ihren Entscheidungen unabhängig: „Wenn ich eine Eintragung beim Registergericht nicht erteile, nutzt es nichts, sich darüber bei meinem Vorgesetzten zu beschweren, die Entscheidung darüber liegt erst einmal allein bei mir.“ Wer mit dem Ergebnis nicht einverstanden sei, müsse den juristischen Weg beschreiten und Rechtsmittel einlegen.

Von den Entscheidungen der Rechtspfleger hänge viel ab – beim Registergericht etwa gehe es indirekt auch um Arbeitsplätze und die Entwicklung der Region als Wirtschaftsstandort. Werde eine Eintragung im Handelsregister nicht erteilt, könne das Unternehmen seinen Betrieb nicht aufnehmen. Trotz der großen Verantwortung sei es aber nötig, zügig über die jeweiligen Fälle zu entscheiden: „Sonst schafft man sein Arbeitspensum nicht.“ Wer sich für das Studium bewerbe, müsse daher nicht nur gewissenhaft, sondern auch entscheidungsfreudig sein. Von Vorteil sei auch die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren: „Man kann und muss sich seine Arbeit und die Arbeitszeit weitgehend selbst einteilen.“ Dies biete viel Freiheit und große Spielräume. Auch Home-Office sei an bis zu elf Tagen im Monat möglich. Gefragt sei aber auch ein hohes Maß an Disziplin, um die anspruchsvolle Tätigkeit zu bewältigen.

Bewerbung beim zweiten Anlauf

Nachdem ihr erster Versuch, Rechtspflegerin zu werden, gescheitert sei, habe sie erst einmal vier Semester Jura studiert, berichtet Weber: „Das war mein Plan B.“ Als sich gezeigt habe, dass ihr Notenschnitt nicht für Positionen wie etwa das Richteramt ausreichen werde, habe sie sich erneut für das Duale Studium beim OLG beworben – diesmal mit Erfolg.

Im Unterschied zur Universität sei das Studium an der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege in Rotenburg an der Fulda stark verschult. Es gebe feste Unterrichtszeiten, einen Klassenverband und oft auch klassischen Frontalunterricht: „Beim Jurastudium waren wir 600 Studierende, in der Rechtspflege dann nur noch 60, das ist wie in einer kleinen Familie.“

Dank ihres Vorwissens aus der Uni seien ihr Fächer wie Zivil- und Verwaltungsrecht von Anfang an leichtgefallen. Einstellen müsse man sich jedoch auf einen Praxisschock beim ersten Einsatz in der Behörde. „Als ich das erste Mal vor einer Akte saß, hatte ich gar keine Ahnung, was ich damit tun soll“, verrät Jeannine Weber. Schwierig sei auch, dass die hochkonzentrierte Tätigkeit immer wieder unterbrochen werde, etwa durch Anrufe oder Publikumsverkehr. Dann müsse man dazu in der Lage sein, sich wieder schnell in die komplexe Thematik einzufinden.

Arbeitsalltag als Rechtspfleger

Neben der Beschäftigung mit abstrakten Paragrafen und juristischen Formulierungen sind Rechtspfleger auch immer wieder mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. Wer am Nachlassgericht arbeite, treffe zum Beispiel auch einmal auf ein Ehepaar, das sein Kind verloren habe. Bei ihr am Registergericht seien solche Tragödien eher selten, räumt Weber ein: „Aber ich hatte auch schon einmal einen Unternehmer hier sitzen, der geweint hat, weil ich seine Firma auflösen musste, und er dadurch seine Lebensgrundlage verlor.“ Mit aufgelöstem oder aufgebrachtem Publikum umzugehen sei nicht immer einfach und erfordere viel Fingerspitzengefühl. Das Studium bereite die künftigen Rechtpfleger jedoch auf Fälle dieser Art vor. Wichtig sei vor allem, dass man objektiv bleibe: „Damit hilft man den Menschen am meisten.“

Führungspositionen für Rechtspfleger

Beendet hat Weber ihr Studium vor rund acht Jahren. Als stellvertretende Sachgebietsleiterin übt sie am Registergericht nun eine Führungsposition aus. Wer sich engagiere, habe auf Dauer gute Aufstiegschancen: „Dass es bei mir so schnell ging, war Glück, die Stelle wurde frei und ich bin nachgerückt.“ Früher oder später werde aber in jedem Sektor auch im Führungsbereich Nachwuchs benötigt. Wer eine leitende Funktion anstrebe, habe daher bei entsprechender Eignung auch die Chance, dieses Ziel zu verwirklichen. Auch ein Wechsel in eine andere Abteilung mit einer neuen Thematik sei möglich. Das Studium bereite die Rechtspflegeanwärter auf alle potenziellen Einsatzgebiete vor.

Weber betreut die angehenden Rechtspfleger in der Praxisausbildung am Registergericht. Die Studierenden befassen sich aber auch mit Erbschaften, Familienangelegenheiten, Vormundschaften, Grundbucheintragen, etwa bei Hausverkäufen, oder auch Mahnverfahren, Zwangsvollstreckungen, Zwangsversteigerungen und Insolvenzverfahren, wenn Menschen oder Firmen und andere Organisationen ihre Schulden nicht bezahlen. „Die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig“, sagt Weber. Auch mit einer Familie sei der Beruf gut vereinbar: „Die flexiblen Arbeitszeiten sind dafür optimal.“ Insgesamt sei sie mit ihrer Berufswahl sehr zufrieden: „Für mich war es genau das Richtige.“

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