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Freiwilligendienst in Zeiten von Corona

Beim Freiwilligendienst an der Universitätsmedizin Rostock hat Caro Weigt hauptsächlich mit Covid-19-Patienten gearbeitet.

Als im Lockdown wegen Corona Hochschulen schlossen und Azubis ins Homeoffice geschickt wurden, ging für viele Schüler, die sich nach dem Schulabschluss für eine Auszeit entschieden hatten, die Arbeit erst richtig los. „Ich dachte, ich stehe mitten im Hotspot“, sagt Caro.

Freiwilligendienste sind beliebt – vor allem bei Abiturienten. Rund ein Drittel aller Schüler mit Abitur nimmt sich vor dem Studium oder der Ausbildung erst einmal eine Auszeit, und viele von ihnen nutzen die Zeit, um Praxiserfahrung zu sammeln. Auch Caro wählte diesen Weg und trat im Oktober 2019 einen Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus an. „Ich möchte Medizin studieren und wollte vor dem Studium die Abläufe in einer Klinik kennenlernen“, erklärt die 20-Jährige.

Mit einer Pandemie habe zu dieser Zeit noch niemand gerechnet: „Aber im Februar ging es dann los.“ Ihre Station in der Infektiologie an der Universitätsmedizin Rostock habe sie von Anfang an in die Arbeit mit den Coronapatienten mit eingebunden. Sie unterstützte die Pflegekräfte zum Beispiel bei der Überprüfung der Vitalfunktionen, wie dem Messen des Blutdrucks oder der Atmungsfunktionen, sie stand den Patienten aber auch psychisch zur Seite. „Manche waren wirklich verzweifelt und haben nach dem positiven Testergebnis angefangen zu weinen“, erzählt Caro. In persönlichen Gesprächen habe sie versucht, die Betroffenen zu beruhigen.

Bei ihrem Bundesfreiwilligendienst bekam sie eine Schulung für den richtigen Umgang mit Schutzkleidung und lernte auch, wie man den Rachenabstrich für den Coronatest korrekt durchführt. Einige Zeit sei sie im Corona-Testzentrum eingesetzt worden und habe den Abstrich dort selbstständig bei Patienten vorgenommen. „Das ist gar nicht so einfach, vor allem bei Kindern, weil es einen Würgereflex auslösen kann“, berichtet sie. Einmal sei sie nach einem Urlaub auch selbst getestet worden: „Das war dann aber gar nicht so schlimm, die Kollegin war ganz schnell.“

Ansteckung beim Freiwilligendienst?

Angst sich bei ihrem Freiwilligendienst selbst anzustecken, habe sie nie gehabt, versichert sie: „Auf der Station hatte ich Schutzkleidung und Ausrüstung, das Infektionsrisiko war dort viel geringer als zum Beispiel beim Einkaufen.“ Sie kenne niemanden, der wegen der Coronakrise den Freiwilligendienst abgebrochen habe. Auch für die Krankenhäuser seien die Bufdis, wie die Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes oft genannt werden, in der Ausnahmesituation besonders wichtig: „Gerade in der Krise werden Leute gebraucht, die mit anpacken.“

Dass die Teilnehmer der Freiwilligendienste – wie Caro – direkt mit Coronapatienten arbeiten, ist aber eher die Ausnahme. „Bei uns waren die Bufdis nicht auf der Isolierstation, dazu hat es ihnen an Fachwissen gefehlt“, sagt Ann-Christin Gräf, Pflegedienstleitung am Kreisklinikum Siegen. An den Normalstationen seien die Freiwilligenprogramme während des Lockdowns jedoch regulär fortgesetzt worden. Da wegen Corona viele andere Behandlungen verschoben worden seien, habe es dort weniger Patienten gegeben als üblich: „Für die Freiwilligen war das unter Umständen ein Vorteil, weil der Dienst entspannter war als sonst und man für den einzelnen Patienten mehr Zeit hatte.“

Einen Rückgang der Bewerbungen für Freiwilligenstellen aufgrund von Corona habe sie nicht beobachten können: „Im Gegenteil, wir sind gut aufgestellt.“ Auch sie betont, dass ein Freiwilligendienst im Krankenhaus keine Gefährdung für eine Infektion mit dem Virus sei: „Hier muss niemand Angst haben, die Schutzmaßnahmen sind bei uns fester Bestandteil des Arbeitsalltags.“

Am Universitätsklinikum Tübingen hätten einige Bufdis ihren Dienst aufgrund von Corona sogar verlängert, berichtet Peter Knoll, der in der Personalabteilung des Klinikums unter anderem für die Freiwilligen zuständig ist. „Die Unternehmen bieten jetzt teilweise weniger Ausbildungsplätze an als ursprünglich geplant, so dass Berufsausbildungen nicht angetreten werden können“, erklärt er. Ein Bundesfreiwilligendienst sei deshalb eine gute Überbrückungsmöglichkeit bis zur Ausbildung oder zum Studium – nicht trotz, sondern gerade auch wegen Corona.

Bundesfreiwilligendienst in Zahlen und Fakten

  • Alter: ab Abschluss der Vollzeitschulpflicht, keine Altersobergrenze
  • Dauer: sechs bis 24 Monate, in der Regel ein Jahr
  • Arbeitszeit: Vollzeit, Teilzeit ist unter bestimmten Voraussetzungen auch möglich. Die Freiwilligen klären diese Möglichkeit mit der jeweiligen Einsatzstelle ab.
  • Vergütung: variiert nach Einsatzstelle, Taschengeld bis maximal 414 Euro, Sachleistungen für Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung können gestellt oder als Geldersatzleistung gezahlt werden. Die Freiwilligen sind sozialversichert. Eltern von Freiwilligen, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, können Kindergeld erhalten.
  • Einsatzstellen: Gemeinnützige Einrichtungen aus den Bereichen Soziales, Ökologie, Sport, Kultur, Integration und Zivil- und Katastrophenschutz

Der Bundesfreiwilligendienst wurde 2011 als Ersatz für den ausgesetzten Wehr- und Zivildienst eingeführt. Insgesamt nahmen im Jahr 2019 fast 40.000 Menschen an einem Bundesfreiwilligendienst teil. Weitere Infos: www.bundesfreiwilligendienst.de.

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