Du hast die Schule bald hinter dir, kannst dir aber vorstellen, Lehramt zu studieren und später einmal auf eine ganz neue Weise ins Klassenzimmer zurückzukehren? Eine gute Idee, denn Lehrer*innen werden dringend gesucht. Was dich im Studium und bei der Arbeit mit den Schüler*innen erwartet und welche Fähigkeiten du für den Beruf mitbringen solltest, verraten dir die Studentin Franziska Jehle (24) und der Referendar Marius Bauer (28) in unserem Beitrag. Beide studieren an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

Lehrer*in werden: zwischen Schule und Hochschule

    Die eigene Berufung zu ergründen ist für viele ein langer Weg – manchmal kann es aber auch ganz schnell gehen. „Dass ich Lehrerin werden will, weiß ich schon seit der dritten Klasse“, sagt Franziska. Auch die Fächerwahl stand bei ihr von Anfang an fest: Deutsch und Musik. In der Schule sei Deutsch immer ihr Lieblingsfach gewesen, erzählt sie: „Besonders der Literaturteil, ich habe immer total gerne gelesen.“ Ihr zweites Fach, Musik, praktiziert Franziska schon seit dem Kindergarten. Im Vorschulalter begann sie mit Blockflöte, und seit sie acht Jahre alt ist, spielt Franziska Saxophon. „Mein Saxophonlehrer war es damals auch, der mir die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd empfohlen hat“, berichtet sie.

    Erst Freiwilligendienst, dann Lehramtsstudium

    Garz anders lief die Berufswahl bei Marius ab. Er stammt aus einer Lehrerfamilie. „Aber gerade deshalb habe ich mich am Anfang strikt geweigert, Lehramt zu studieren“, erklärt er. Doch sich für ein anderes Studium oder eine Ausbildung zu entscheiden, sei ihm zunächst schwergefallen. Nach einem Bundesfreiwilligendienst und zwei Jahren Wehrdienst konnte er sich aber mehr und mehr damit anfreunden, doch noch Lehrer zu werden: „Bei der Arbeit mit Kindern und auch Erwachsenen habe ich gemerkt, dass mir das Soziale liegt.“

    Geschichte und Mathematik auf Lehramt

    Seine Schwerpunktfächer sind Mathematik und Geschichte. An der Schule habe er eigentlich Biologie und Geografie als Leistungskurse gehabt, räumt er ein: „Aber Geschichte interessiert mich einfach.“ Und Mathe? „Warum ich das genommen habe, weiß ich manchmal selbst nicht so genau“, sagt er und lacht. Weil er Grundschullehramt studiere, werde er aber ohnehin auch für den Deutschunterricht ausgebildet.

    Grundschullehramt studieren als Mann

    Für die Grundschule hat Marius sich entschieden, weil ihm die Arbeit mit kleineren Kindern mehr liegt als die Auseinandersetzung mit Jugendlichen in der Pubertät. „In der Grundschule sind die Kinder noch motiviert, sie sind total interessiert und es macht Spaß, das zu sehen“, sagt er. Für einen Mann ist seine Studienwahl allerdings weiterhin eher ungewöhnlich – noch immer unterrichten an Grundschulen vorwiegend Frauen. Sein Umfeld habe aber durchweg sehr positiv auf seine Entscheidung reagiert: „Alle sagen, es ist doch gut, wenn es in diesem Frauenverein auch mal ein paar Männer gibt.“

    Welche Schule ist die Richtige?

    Auch Franziska wollte eigentlich an die Grundschule gehen. Nach einiger Überlegung habe sie dann aber beschlossen, an einer weiterführenden Schule zu unterrichten. „Vor allem aus inhaltlichen Gründen, mit den größeren Kindern kann man einfach mehr machen“, erklärt sie. Lehramt für Gymnasium sei für sie aber nicht in Frage gekommen: „Dazu hätte ich ein Universitätsstudium gebraucht und ich wollte lieber praxisbezogen studieren.“ Deshalb habe sie sich an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd für den Lehramtsstudiengang Sek I eingeschrieben mit dem Ziel, später an der Realschule zu unterrichten.


    Video ARD alpha Uni: Lehramtsstudium Sekundarstufe 1

    Ann-Christin studiert Lehramt Sekundarstufe 1 (5.-10.Klasse) an der PH Freiburg. Für ihre Masterarbeit hat sie ein Unterrichtskonzept zum Thema “Argumentieren und Beweisen im Matheunterricht” erstellt. Dieses Konzept kann Ann-Christin jetzt mit Schülerinnen und Schülern erproben. Wie reagiert die Klasse auf das Konzept? Das Video ist ein Film des Formats alpha Uni, einem Angebot von ARD alpha.


    Zwischen Fachwissen und Didaktik

    Wenn du Lehramt studierst, befasst du dich einerseits mit deinen Unterrichtsfächern. Andererseits lernst du, wie die Didaktik funktioniert und du dein Wissen an deine Schüler*innen weitergibst. „Das Fachliche geht weit über das, was man an der Schule braucht, hinaus“, sagt Franziska. Dennoch werde auch immer ein Bezug zur späteren Tätigkeit als Lehrkraft hergestellt.

    Wenn es etwa um Kriminalliteratur gehe, analysiere sie die verschiedenen Werke. In den Seminaren zur Didaktik stehe dann aber die Frage im Zentrum, welchen Nutzen Krimis für die Schüler*innen haben und wie die Jugendlichen Zugang zu dieser Literaturgattung finden. Auch Marius lernt an der Hochschule grundsätzlich das gleiche wie diejenigen, die Mathematik in einem Bachelor- oder Masterstudiengänge studieren. Der Stoff unterscheide sich nicht, sagt er: „Aber der Umfang ist geringer, weil wir ja noch die Didaktik haben.“

    Stundenplan zum Selbermachen

    Bei der Gestaltung ihres Lehramtstudiums haben die Studierenden viele Freiheiten. Ihren Stundenplan könne sie sich praktisch selbst zusammenstellen und wählen, welche Seminare sie wann besuche, erzählt Franziska. Das biete große Spielräume, erfordere aber auch Organisationstalent und Disziplin: „Immer nur Party machen geht nicht, man muss rechtzeitig mit dem Lernen anfangen, um die Prüfungen zu schaffen.“ Allerdings könne man sich die Arbeit selbst einteilen, „und wenn man sich für die Fächer interessiert, lernt es sich auch leichter.“

    Psychologie für Lehrer*innen

    Es gebe aber auch Lehrveranstaltungen, zu denen sie nicht so einfach Zugang finde, räumt sie ein: „Zum Beispiel Psychologie, wenn es in die Diagnostik und ins Klinische geht.“ Zwar sei auch dieses Wissen hilfreich, etwa um Verhaltensstörungen wie ADHS bei Kindern erkennen und sie entsprechend unterstützen zu können, „aber mir persönlich liegt das Fach nicht so.“

    Wie stressig ist das Lehramtstudium?

    Während des Semesters bereite sie ihre Seminare regelmäßig vor und lese schon einmal die Texte, die in der nächsten Veranstaltung besprochen würden. Pro Seminar, von denen jedes jeweils einmal wöchentlich stattfinde, brauche sie dafür etwa ein bis zwei Stunden. Marius hat im Studium bis zu seinem Referendariat rund zwei bis drei Stunden täglich gelernt, zumindest an den Tagen, an denen er nicht so lange an der Hochschule war. „Manchmal hat man von acht bis zwanzig Uhr Lehrveranstaltungen, danach macht man natürlich nichts mehr“, räumt er ein.

    Vor Prüfungen habe er sich dagegen meistens fünf bis sechs Stunden pro Tag hingesetzt. „Da büffelt man dann durch“, sagt auch Franziska. Jedoch sei der Lernaufwand individuell unterschiedlich, betont Marius: „Man kann das alles auch entspannter machen, dann dauert das Studium eben ein paar Semester länger.“

    Das Referendariat: Kulturschock vor der Klasse

    Motivierend sei beim Lernen außerdem die Möglichkeit, das Ganze in der Schule anzuwenden, sagt Franziska, die im Sommer ihr großes Semesterpraktikum hat: „Darauf freue ich mich und bin schon sehr gespannt, ob das dann in der Praxis wirklich so ist, wie es mir in der Theorie erklärt wurde.“ Eine Erfahrung, die Marius schon hinter sich hat. Als Referendar befindet er sich mitten im Schulalltag.

    Im Klassenzimmer zu sein sei etwas völlig anderes als das theoretische Lernen an der Hochschule. „Als ich das zum ersten Mal im Praktikum erlebt habe, das war ein Kulturschock“, erinnert sich Marius. Von den Kindern sei er von Anfang an „beherzt aufgenommen worden.“ Ihre Neugierde und ihre schnellen Lernfortschritte zu sehen begeistere ihn immer wieder: „Diese Wissbegierde und die riesige Entwicklung der Kinder in dieser kurzen Zeit, das gefällt mir am besten an meinem Beruf.“

    Lehramt studieren 1

    Wie stressig ist der Beruf Lehrer*in?

    Trotzdem habe das Lehrersein auch seine Schattenseiten. Schwierig findet Marius zum Beispiel manche Auseinandersetzungen mit den Eltern, „vor allem mit solchen, die auf der einen Seite den gesamten Erziehungsauftrag an die Schule abgeben, aber auf der anderen Seite dann alles kritisieren.“

    Außerdem gebe es natürlich gelegentlich auch Kinder, „die nicht mitmachen, aus der Reihe tanzen und die ganze Zeit Quatsch machen.“ Bei „Rowdy-Klassen“ habe er sich vorgenommen, eher ein strenger Lehrer zu sein, sagt Marius: „Ich habe schon das Gefühl, dass es den Kindern manchmal an Respekt gegenüber den Erwachsenen fehlt, und da will ich gegensteuern.“ Respekt einzufordern bedeute nicht, den Schülerinnen und Schülern Angst einzujagen, betont er. Bei unangemessenem Verhalten Zusatzaufgaben zu geben oder zum Beispiel Ausflüge zu streichen seien aber mögliche Maßnahmen.

    Unterrichtsvorbereitung im Referendariat

    Um den Beruf gut zu machen, müsse man auch einiges an Zeit investieren. Zum Beispiel habe er kürzlich mit den Schülerinnen und Schülern ein Projekt zum Thema Wald durchgeführt. In einem großen Legekreis seien Blätter und Früchte angeordnet, in Forscherheftchen zusammengeführt und dann auf ein Plakat geklebt worden.

    „So etwas kommt supertoll an“, sagt Marius. Basteln, designen und dabei eigene Entscheidungen zu treffen, das begeistere die Klasse: „Auch Kinder wollen gerne selbst mitbestimmen.“ Aktionen wie diese seien für Lehrkräfte sehr aufwändig und müssten gut vorbereitet werden – ohne, dass Arbeitszeit dafür angerechnet werde. Zwar könne man sich beim Unterricht auch einfach am Schulbuch orientieren, „aber man will den Kindern ja auch was bieten.“

    Was gute Lehrer*innen brauchen

    Doch was macht eine gute Lehrkraft eigentlich aus? Wichtig sei vor allem Geduld, sagt Franziska. Man könne von den Schülerinnen und Schülern nicht erwarten, dass sie immer alles gleich richtig machen. „Wenn zum dritten Mal die gleiche Frage kommt, dann muss man darauf eingehen, und nicht gleich genervt sein.“ Ebenfalls hilfreich: gut vor anderen sprechen können. Gerne Referate an der Schule zu halten sei deshalb ein erster Hinweis für eine Eignung als Lehrer oder Lehrerin.

    Auch ein Sinn für Gerechtigkeit sei eine Eigenschaft, die in dem Beruf von zentraler Bedeutung sei, sagt Marius. Am meisten komme es aber auf die sozialen Kompetenzen an: „Man muss Menschen, und vor allem Kinder, wirklich mögen.“ Wer die soziale Komponente nicht mitbringe, sei im Lehrerberuf falsch, „da kann man noch so viel Fachwissen haben, das nutzt dann alles nichts.“

    Weitere Berufsbilder aller Fachrichtungen findest du unter Berufe von A bis Z.

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