Berufsorientierung ist in den Abgangsklassen an jeder Schule ein Thema. Aber hilft dir der Berufsorientierungsunterricht auch tatsächlich dabei, die passende Ausbildung oder das richtige Studium zu finden? Genau das wollten wir von Stuzubi wissen – und haben die Besucher*innen unserer Berufsorientierungsmessen über ein ganzes Jahr hinweg gefragt, wie gut sie ihre Schule bei ihrer Berufswahl unterstützt. Das Ergebnis der Umfrage, die Mitte August 2026 veröffentlicht wird: Die Durchschnittsnoten der Schulen im Fach Berufsorientierung sind mittelmäßig. Mädchen sind tendenziell unzufriedener als Jungs, und Schüler*innen, die den Mittleren Schulabschluss erwerben, werden im Unterricht besser bei der Berufsfindung beraten als Schüler*innen am Gymnasium. Zusätzlich zum Berufsorientierungsunterricht an der Schule gibt es aber noch viele andere Angebote, die dir bei deiner Berufs- und Studienwahl helfen.
Schulen nur so mittel – Schüler*innen bewerten Berufsorientierungsunterricht
Wir von Stuzubi wollten im vergangenen Frühjahr und Herbst von den Messebesucher*innen unserer Studien- und Ausbildungsmessen an allen 15 Messestandorten wissen, wie zufrieden sie mit dem Berufsorientierungsunterricht an ihrer Schule sind. Mitgemacht haben bei der Umfrage insgesamt knapp 1.400 Schüler*innen und auch einige Eltern, die sich zum Berufsorientierungsunterricht ihrer Kinder geäußert haben.
Die Teilnehmer*innen sollten dabei auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie bei den Schulnoten – angeben, wie gut ihre Schule sie bei der Berufsfindung unterstützt. Das Gesamtergebnis zeigt: Der Berufsorientierungsunterricht an der Schule ist zufriedenstellend – mehr aber auch nicht.
Die Durchschnittsnote liegt bei 3,16. Das Erstaunliche daran: Besonders schlechte oder besonders gute Noten wurden so gut wie nie vergeben. Betrachten wir die verschiedenen Orte, Mädchen und Jungs oder die einzelnen Schularten getrennt, schwanken die Noten meistens nur um ein paar Zehntel bis zu höchstens eineinhalb Notenstufen. Einige klare Unterschiede fallen dennoch auf.
Mädchen kritischer als Jungs
In fast allen Städten, in denen die Studien- und Ausbildungsmesse Stuzubi stattfindet, sind Mädchen mit dem Berufsorientierungsunterricht unzufriedener als Jungs. Bundesweit bewerten Schülerinnen ihre Schulen zwar nur um drei Zehntel schlechter als Schüler (Mädchen: 3,31, Jungs: 3,03). In den einzelnen Regionen zeigt sich der Effekt aber teilweise erheblich. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied in Mainz: Hier gaben die Mädchen ihren Schulen eine glatte Vier. Von den Jungs bekamen die Schulen immerhin eine 2,8.
Woran das liegt? Darüber können wir fürs Erste nur spekulieren. Vielleicht sind Mädchen einfach anspruchsvoller als Jungs. Oder Schülerinnen haben bestimmte berufliche Vorstellungen, die im Berufsorientierungsunterricht einfach nicht behandelt werden.
Du bist ein Mädchen und fühlst dich von deiner Schule bei deiner Studien- und Berufswahl zu wenig unterstützt? Schreibe uns gerne in die Kommentare, was dir fehlt und was du dir wünschen würdest.
Ist Berufsorientierung am Gymnasium schlechter als an der Realschule?
Außerdem zeigt die Stuzubi-Umfrage deutlich: An Gymnasien kommt das Thema Berufswahl und Studienwahl immer noch zu kurz. Bei den Gymnasiast*innen ist die bundesweite Gesamtnote 3,24. Schüler*innen, die den Mittleren Schulabschluss machen, geben ihren Schulen fast eine glatte Drei (3,07). Selbst wenn es auf das Abitur zugeht, wird das Ganze nicht viel besser: Die Gesamtbewertung der Abiturient*innen liegt bei 3,21.
Am größten ist der Unterschied zwischen Gymnasiast*innen und Realschüler*innen in Hannover. Schüler*innen, die das Abitur anstreben, bewerten ihren Berufsorientierungsunterricht mit einer 3,78, Schüler*innen der Schulen für den Mittleren Schulabschluss mit 2,33. Auch in München und Mainz liegt der Unterschied bei einer ganzen bzw. bei 1,2 Notenstufen.
Gerade wenn du Abitur machst, kann es deshalb sinnvoll sein, deine Berufsorientierung einfach selbst in die Hand zu nehmen. Dazu gibt es viele Angebote und Möglichkeiten.
- Berufsorientierung Gymnasium (folgt in Kürze)
- Berufsorientierung Realschule (folgt in Kürze)
Tipps zur Berufs- und Studienwahl außerhalb der Schule
Im Berufsorientierungsunterricht an deiner Schule bekommst du zwar Methoden an die Hand, die dir bei deiner Berufswahl helfen. Wenn du weiterhin unsicher bist, kannst du aber eine Reihe von zusätzlichen Angeboten nutzen. Dazu gehören unter anderem:
- Persönliche Beratungsangebote und Infoveranstaltungen der Berufsinformationszentren (BIZ) der Arbeitsagenturen
- Beratungsangebote der IHKs und Handwerkskammern
- Beratungsangebote der Studienberatungen von Universitäten und Hochschulen
- Berufsorientierungsmessen
- Berufswahltests im Internet
Als Einstieg bieten sich Orientierungstests im Internet an. Wenn du weiter unschlüssig bist, helfen dir persönliche Gespräche mit Expert*innen weiter, die du beispielsweise auf Messen oder im Rahmen einer individuellen Terminvereinbarung bei den entsprechenden Einrichtungen führen kannst. Die meisten Angebote sind für Schüler*innen kostenfrei.
Fazit: Die Schule unterstützt Schüler*innen bei der Studienwahl und Berufswahl, jedoch nur in begrenztem Umfang. Mädchen bewerten den Berufsorientierungsunterricht schlechter als Jungen. Berufsorientierung am Gymnasium ist nach wie vor noch nicht auf dem Niveau wie Berufsorientierung an der Realschule. Allerdings gibt es für Jugendliche viele kostenfreie Berufsberatungsangebote außerhalb der Schule, etwa von öffentlichen Einrichtungen wie den Arbeitsagenturen oder den Kammern, aber auch von privaten Anbietern wie den Veranstaltern von Berufsorientierungsmessen.

Stuzubi Studien- und Ausbildungsmessen
Auf der Berufsorientierungsmesse Stuzubi kannst du nicht nur viele verschiedene Ausbildungsberufe und Studiengänge kennenlernen. Auf jeder Messe gibt es auch einen Berufsorientierungsstand, an dem du dich von Expert*innen beraten lassen kannst. Die Messe findet ein- bis zweimal jährlich an 15 Standorten in Deutschland und zweimal im Jahr online statt. Die Messetermine auf einen Blick. Mehr Tipps zur Berufsorientierung findest du auf dem Stuzubi YouTube-Kanal.



