Berufswahl: Welche Jobs sind heute noch sicher?

Berufswahl: Welche Jobs sind sicher? Junges Mädchen sitzt nachdenklich am Fenster, spiegelt sich in der Glasscheibe und blickt auf herbstlich bunte Bäume © Adobe Stock

Gerade in unsicheren Zeiten spielt Jobsicherheit bei der Berufswahl eine große Rolle. Doch gibt es heutzutage überhaupt noch Berufe, die langfristig Stabilität bieten? Stuzubi hat dazu mit Expert*innen der IHK und aus unterschiedlichen Berufsfeldern wie dem Handwerk, dem Gesundheits- und Sozialwesen und der Kreativbranche gesprochen. Die Fachleute sind sich einig: Die Arbeitswelt ändert sich gerade massiv – doch der Wandel bringt gerade für die junge Generation auch große Chancen mit sich.

Gibt es heutzutage noch sichere Berufe?

    Nimmt KI uns die Jobs weg?

    Mehrere Studien zeigen: Selbstverwirklichung und Freude an der Arbeit sind bei der Berufswahl nach wie vor wichtig – wird aber zunehmend von Faktoren wie Jobsicherheit und einem guten Gehalt abgelöst. Woher das kommt? Ausschlaggebend sind vor allem die aktuellen Krisen, glaubt Silke Richter, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und Fachkräfte bei der IHK Hannover. Einen grundsätzlichen Wandel in der Prioritätensetzung bei der Berufswahl erkenne sie indes nicht. „Sicherheit und Gehalt waren immer wichtig“, erklärt sie. Bis vor ein paar Jahren seien diese Aspekte aber häufig als gegeben vorausgesetzt worden: „Wegen der wirtschaftlichen Lage und der politischen Krisen rücken diese Dinge jetzt nur wieder mehr in den Vordergrund und werden deutlicher benannt.“

    Relativ neu ist allerdings die Sorge, dass neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) manche Tätigkeiten überflüssig machen können. „KI ist zwar schon seit mehreren Jahren ein Thema, aber ich habe den Eindruck, dass das gerade in den vergangenen sechs Monaten unfassbar an Fahrt aufgenommen hat“, sagt Alexander Dietz, der bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern für Grundsatzfragen der Berufsbildung und Ausbildungsberatung zuständig ist. Die Frage „Was passiert, wenn mir die KI die Jobs wegnimmt“ sei „bei den jungen Leuten schon präsent.“

    Eine begründete Sorge? Bislang bestätigen sich die Befürchtungen nicht, versichert Richter. Trotz Sensorik, Robotik und jetzt auch KI seien aktuell so viele Menschen in Arbeit wie nie zuvor: „Wir hatten ja schon viele technologische Neuerungen und natürlich verändern sich Aufgaben und Tätigkeiten dadurch, aber bisher hat das nicht zu weniger Beschäftigten geführt.“ Auch wenn derzeit die Arbeitslosigkeit wieder steige – an KI liege das nicht, betont Richter. Verantwortlich sei dafür vielmehr die schwierige wirtschaftliche Lage.

    Optimistisch ist auch Dietz. Denn gerade im Moment gilt das Handwerk als Alternative zu den möglicherweise von KI bedrohten Bürojobs. Zwar werde KI auch in handwerklichen Berufen genutzt, betont er: „Aber Künstliche Intelligenz baut keine neuen Häuser. Dafür müssen Handwerker vor Ort sein und die Dinge umsetzen. Das heißt: KI kann und wird das Handwerk unterstützen, wird es aber niemals ersetzen. “

    Ähnlich schätzt die Situation Jannicke Schickert ein, Leiterin der Medizinischen Berufsfachschule des Universitätsklinikums Leipzig. Zwar werde im medizinischen Bereich KI vielfach eingesetzt. „Aber in keinem unserer neun Gesundheitsfachberufe, die wir hier ausbilden, kann ich mir vorstellen, dass KI die Tätigkeiten insgesamt übernehmen kann“, erklärt sie. Gesundheits- und Pflegeberufe seien auch langfristig sicher, „die werden immer gebraucht, weil es immer Menschen gibt, die krank werden.“

    Auch Marc Aulerich, der bei Kita Frankfurt für Personalgewinnung zuständig ist, ist überzeugt: Soziale Berufe wie Erzieher*in sind nach wie vor sicher. Der soziale Bereich sei weniger anfällig für die Disruptionen, die andere Berufsfelder gerade durchlaufen, sagt er. In der Arbeit am Kind sei der Einsatz von KI schwer vorstellbar, „da geht es doch zu sehr um die Menschlichkeit, das soziale Miteinander.“ Aktuell werde KI in den Einrichtungen von Kita Frankfurt noch nicht genutzt. Für bestimmte Recherchearbeiten im pädagogischen Bereich, etwa um geeignete Spiele zu finden, sei KI in Zukunft jedoch durchaus denkbar: „Aber der Erzieherberuf ist im Wesentlichen nicht so angelegt, dass er durch KI ersetzt werden kann.“

    Sogar Ansgar Eidens, Professor für Brand Design an der Brand University of Applied Sciences in Hamburg, mahnt zur Besonnenheit. Weil heute auch Laien schnell beeindruckende KI-Bilder generieren könnten, entstehe der Eindruck, Design erledige sich künftig von selbst. „KI werde Designprozesse grundlegend verändern, die menschliche gestalterische Arbeit aber nicht ersetzen“, sagt er.

    Doch wie sieht die Situation in anderen Berufen aus?

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    Studien- und Berufswahl in Zeiten von KI

    Wie sicher sind die beliebtesten Ausbildungen und Studiengänge?

    Jobsicherheit spielt zwar laut Umfragen bei der Berufswahl nach der Schule heute eine größere Rolle als vor einigen Jahren. Aber entscheiden sich Jugendliche deshalb für andere Ausbildungen und Studiengänge als früher? Bei den beliebtesten Ausbildungsberufen sei bisher noch kein Wandel erkennbar, sagt Silke Richter von der IHK Hannover: „Die Top Five haben sich nicht geändert.“ Auch im Handwerk stehe weiterhin seit vielen Jahren der Beruf Kfz-Mechatroniker*in konstant auf Platz Eins der Beliebtheitsskala, erklärt Alexander Dietz von der Handwerkskammer München: „Die Zahlen sind da sehr stabil beziehungsweise gehen immer noch nach oben.“

    Laut dem Job-Futuromat der Arbeitsagentur sind viele Tätigkeiten der beliebtesten Ausbildungsberufe aber inzwischen durch KI und andere Technologien ersetzbar:

    Top Five Ausbildungsberufe*Ersetzbarkeit laut Job-Futuromat**
    Kfz-Mechatroniker*in75%
    Kaufleute für Büromanagement75%
    Verkäufer*in88%
    Medizinische*r Fachangestellte*r80%
    Zahnmedizinische*r Fachangestellte*r67%

    Allerdings zeigt der Job-Futuromat der Arbeitsagentur nur an, ob eine Automatisierung von Aufgaben grundsätzlich technisch möglich ist. Ob tatsächlich Maschinen statt Menschen eingesetzt werden – das bleibt offen. Gerade in Berufen mit Kundenkontakt halte er es für unwahrscheinlich, dass nur noch mit Technologien gearbeitet werde, sagt Dietz: „Ob beim Bäcker, beim Metzger oder beim Konditor, wie soll denn das funktionieren, wenn da niemand mehr hinter der Theke steht? Die Menschen wollen ja Kommunikation haben.“

    Doch selbst wenn Tätigkeiten automatisiert würden, bedeute das nicht, dass der Beruf verschwinde, räumt Richter ein. In diesen Fällen verändere sich in der Regel nur das Tätigkeitsprofil, die Nutzung der neuen Technologien werde Teil der eigenen beruflichen Arbeit – und zwar teilweise schon in der Ausbildung. „Die Ausbildung und ich denke auch das Studium integrieren jetzt KI nach und nach in die Lerninhalte, das wächst alles zusammen.“

    Gerade in jüngster Zeit fürchten jedoch auch Hochschulabsolvent*innen um ihre Jobs. Denn mit KI lassen sich inzwischen viele Aufgaben von Akademiker*innen ersetzen – gerade auch in den meistgewählten Fachrichtungen wie BWL und Jura.

    Top Five Studiengänge***Ersetzbarkeit laut Job-Futuromat**
    BWL50%
    Informatik35%
    HumanmedizinJe nach Fachrichtung 0 bis 13%
    Psychologie7%
    Rechtswissenschaften67%

    Grund zur Panik bei der Berufswahl sieht Richter jedoch nicht – ganz im Gegenteil. „Der demografische Wandel schlägt in den nächsten Jahren voll zu. Das heißt, da ist der Nachwuchs gefragt“, betont die Expertin. Nach wie vor könne fast die Hälfte der Ausbildungsbetriebe nicht alle Ausbildungsstellen besetzen: „Das ist bis heute so.“ Auch die Übernahmequoten seien weiterhin hoch. Rund zwei Drittel der Unternehmen planen, alle Azubis nach dem Abschluss zu übernehmen. Die beruflichen Chancen, die sich durch den bevorstehenden Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge ergeben, seien vielen jungen Leuten noch gar nicht ausreichend bewusst.

    Doch gilt das in Zeiten von KI auch für Hochschulabsolvent*innen?

    *Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe in Deutschland nach Neuabschlüssen
    **Stand: August 2026
    ***Quelle: Statista

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    Schützt ein Studium noch vor Arbeitslosigkeit?

    Über Jahrzehnte hinweg hieß es: Ein abgeschlossenes Studium ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Doch seit geraumer Zeit berichten Medien immer wieder, dass Einstiegsjobs für Akademiker wegbrechen – ersetzt durch KI. Sind die Zeiten vorbei, in denen ein Hochschulabschluss ein Garant für einen sicheren Job war? Abiturient*innen jedenfalls werden zunehmend skeptisch, ob ihnen ein Studium noch dauerhaft einen Arbeitsplatz sichert, und beziehen diese Befürchtung auch in ihre Berufswahl mit ein. „Deshalb denken jetzt glaube ich immer mehr Mädels und Jungs am Gymnasium drüber nach, eine Ausbildung zu machen, vielleicht auch im Handwerk“, sagt Alexander Dietz von der Handwerkskammer München.

    Silke Richter von der IHK Hannover kann indes aktuell noch keine Verschlechterung der Jobsicherheit bei Akademikerberufen erkennen. Zwar habe sie gelesen, dass etwa die Jobangebote für Juniorberater*innen gesunken seien: „Um die Hochschulabsolventen mache ich mir aber tatsächlich weniger Sorgen.“ Traditionell seien die Arbeitslosenzahlen bei Akademiker*innen niedrig, „das ist seit fast hundert Jahren so, und ich glaube nicht, dass sich das morgen ändert.“ Auch in der politischen Diskussion sei das Thema noch nicht angekommen.

    Viel problematischer sei dagegen die Gruppe der Jugendlichen ohne Schulabschluss, die seit Jahren wachse und in der Regel auch keinen beruflichen Abschluss erwerbe. Wer die Schule nicht beende, habe ein deutlich erhöhtes Risiko, später arbeitslos zu werden: „Da müssen wir dringend was tun.“ Ob die Situation für Hochschulabsolvent*innen langfristig schwieriger werde, sei derzeit dagegen noch nicht absehbar: „Aber vielleicht sieht das in einem Jahr anders aus:“ Dann sei „die Gesellschaft gefordert, dafür Lösungen zu finden.“

    Wie so eine Lösung aussehen könnte, zeigt sich im Moment gerade in einer Branche, in der die Angst vor Jobverlust durch KI besonders groß ist – der Kreativbranche. Auch dort fallen gerade viele klassische Aufgaben für Berufseinsteiger*innen weg. Das sogenannte Freistellen, bei dem Grafiker*innen Bildelemente mit Programmen wie Photoshop in Handarbeit ausschneiden, werde inzwischen vollständig automatisiert, sagt Ansgar Eidens, Professor für Brand Design an der Brand University Hamburg: „Das waren früher so typische Einsteigeraufgaben, mit denen sich Praktikanten tagelang in mühevoller Kleinstarbeit beschäftigt haben. Heute braucht es das nicht mehr.“

    In Agenturen stoßen die neuen KI-Tools aber gerade bei langjährigen Mitarbeiter*innen auf Vorbehalte und lösen Verunsicherung aus, berichtet Eidens: „Das ist ein großes Thema: Wie bringe ich meine Mitarbeiter dazu, Dinge zu automatisieren, ohne dass sie Angst bekommen, dass ihr Job obsolet wird?“ Genau darin liege eine Chance für Nachwuchskräfte: „Ich sehe tatsächlich, dass unsere Absolventen, die sich schon im Studium mit KI beschäftigt haben und wissen, wie diese Prozesse im Design anzuwenden sind, in den Agenturen hochwillkommen sind.“ Das bedeutet: Auch wenn manche klassischen Einsteigertätigkeiten verschwinden, ergeben sich durch KI gerade für Hochschulabsolvent*innen, die sich mit der Technologie auskennen, nun ganz neue Möglichkeiten.

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    Ausbildung oder Studium?

    Handwerksberufe – eine sichere Alternative?

    Das Handwerk – eine Branche, die seit Jahren händeringend um Azubis wirbt – profitiert im Moment von dem steigenden Bedürfnis vieler Jugendlicher nach Jobsicherheit. „Die Bewerberzahlen sprechen eine eindeutige Sprache, es sieht richtig gut aus bei uns“, sagt Alexander Dietz von der Handwerkskammer München. Besonders beliebt seien unter anderem die Bereiche Energiewende und Klimaschutz mit Ausbildungen als Elektroniker*in oder Anlagenmechaniker*in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK): „Diese zwei Berufe kennen im Moment nur eine Richtung, und zwar nach oben.“

    Laut dem Job-Futuromat der Arbeitsagentur haben beide Berufe zwar ein theoretisches Ersetzbarkeitspotenzial von 60 bis 70 Prozent. Dietz hält das aber für sehr hoch gegriffen. Zwar sei der Einsatz von KI in der Planung hilfreich, „aber die Umsetzung, das kann niemand anders als ein Mensch machen“, betont er. Die Verkabelung zu verlegen und all die anderen Tätigkeiten vor Ort seien durch Technologie allein nicht lösbar: „Und das ist es ja auch, was die jungen Leute wollen, die wollen raus.“ Auch beim Kundenkontakt, der im Handwerk immer eine große Rolle spiele, sei der Mensch gefragt.

    Allerdings macht die Digitalisierung auch vor dem Handwerk nicht halt. „Die Betriebe sind da sehr nah am Puls der Zeit“, sagt Dietz. Von großen Maschinen in Bäckereien über CNC-gesteuerte Produktion beim Schreiner oder in der Zahntechnik bis zum Tablet vor Ort, mit dem Kundenwünsche visualisiert und direkt ans Projektbüro übertragen werden, „ohne Digitalisierung geht eigentlich gar nichts mehr.“ Aber eben auch nicht ohne Mitarbeiter*innen, die sämtliche Planungen realisieren: „Am Ende vom Tag sieht jeder dann, was er gemacht hat, und das ist super, ein Riesending.“

    Neu ist dabei das verstärkte Interesse von Abiturient*innen an Handwerksberufen. Noch vor drei bis vier Jahren sei das Thema Handwerk an Gymnasien im Rahmen der Berufswahl praktisch nicht existent gewesen, berichtet Dietz: „Da hat sich aber viel getan und wir haben jetzt sehr guten Kontakt zu den Gymnasien in München und im Umland.“ Beliebt seien auch bei Abiturient*innen Ausbildungen als Anlagenmechaniker*in für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik sowie als Elektroniker*in. Doch auch Berufe wie Augenoptiker*in, Hörakustiker*in, Orthopädietechniker*in oder Schreiner*in seien für Schüler*innen mit Abitur oft interessant.

    Ebenfalls wichtig sei die – für alle Absolvent*innen einer Handwerkslehre mögliche – Weiterbildung als Meister*in. „Wenn man dann, zum Beispiel im Rahmen einer Unternehmensnachfolge, einen Betrieb übernimmt, verdient man auch wirklich so viel Geld, dass man sagen kann, da kommt was dabei rum“, erklärt Dietz. Gerade in den kommenden Jahren seien die Chancen dafür günstig, da die jetzige Unternehmergeneration altersbedingt aus dem Arbeitsleben ausscheide.

    Derzeit liege der Abiturientenanteil bei den Handwerksausbildungen nach den jüngsten Erhebungen noch wie in den Vorjahren bei rund 10 Prozent. Seiner Einschätzung nach sei der Anteil in diesem Jahr gestiegen, „aber die offiziellen Zahlen für dieses Jahr sind noch nicht da.“

    Die meisten Azubis im Handwerk, rund 50 Prozent, haben jedoch den Hauptschulabschluss. Weitere 35 bis 40 Prozent starten mit einem Mittleren Schulabschluss in die Lehre. Der Realschulabschluss ist aus Sicht von Dietz die beste Voraussetzung für eine Handwerksausbildung: „Mit dem entsprechenden Zweig wie Mathe oder Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen kommen die Jugendlichen bestens vorbereitet aus der 10. Klasse raus.“ Die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Handwerk seien hervorragend. „Ein ausgebildeter Handwerker braucht sich vor jemandem, der ein Studium hat, nicht zu verstecken, der kann die Dinge, die heute gefordert werden, genauso gut, wenn nicht aufgrund der Praxiserfahrung sogar besser“, sagt Dietz.

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    Handwerksberufe

    Krisensichere Berufe in der Gesundheitsbranche

    Auch im Gesundheitswesen, vor allem in der Pflege, war in den vergangenen Jahren immer wieder von immensem Fachkräftemangel die Rede. Inzwischen habe sich die Situation zwar etwas verbessert, räumt Jannicke Schickert vom Universitätsklinikum Leipzig ein. Jedoch könne keine Rede davon sein, „dass wir jetzt keinen Fachkräftemangel mehr haben.“ Die Gesundheitsversorgung in Deutschland sei weiterhin angespannt – und ausgebildetes Personal werde gebraucht.

    Hinzu kommt, dass Gesundheitsberufe nur bedingt durch Technologien ersetzbar sind. Liegt es daran, dass wieder mehr junge Leute bei ihrer Berufswahl auch die Pflege im Blick haben? „Ich habe nicht den Eindruck, dass Jobsicherheit und die Angst vor KI bei uns in irgendeiner Weise eine Rolle spielen“, sagt Schickert. Vielmehr werden KI und andere Technologien in Gesundheitsberufen bereits umfangreich genutzt – und zwar schon in der Ausbildung. „Es ist ja heute ohne gar nicht mehr denkbar“, erklärt Schickert. In großen Kliniken sei die Automatisierung von Prozessen schon seit Jahrzehnten Standard. Atmungsüberwachungsmaschinen, Infusiomaten, Ernährungspumpen und vieles mehr – ohne Hilfsmittel wie diese sei die Pflege in der Intensivmedizin oder bei multimorbiden Patient*innen mit mehrfachen Erkrankungen gar nicht mehr möglich.

    Die Blutproben im größten Labor der Uniklinik werden beispielsweise komplett automatisiert untersucht. „Das fällt über die Rohrpost in ein Gerät, das die Beschriftung abliest, wird an den richtigen Computer weitergeleitet, der die Untersuchung durchführt, und am Ende gibt es einen Ausdruck, ohne dass jemand das Röhrchen angefasst hat“, berichtet Schickert.

    Die größten Automatisierungen in der Pflege stünden durch KI aber erst noch bevor, glaubt die Berufsfachschulleiterin, die selbst examinierte Krankenschwester ist. In ihrer eigenen Pflegeausbildung vor rund 30 Jahren habe sie weit weniger dokumentieren müssen, als dies heute der Fall sei: „Da habe ich Hoffnung, dass die KI das irgendwann übernimmt.“ Denkbar sei etwa, Beobachtungen am Patienten in ein mobiles Gerät wie ein Tablet oder Handy einzusprechen, „und dann wird das in Text umgewandelt und über den Computer zum fertigen Arztbrief verarbeitet.“

    Doch können Technologien im Gesundheitsbereich irgendwann komplette Berufe ersetzen? Daran glaubt Schickert nicht. „Die ganzen bürokratischen Prozesse in der Klinik durch KI abzudecken, das schaffen wir in den nächsten 30 Jahren nicht“, so ihre Einschätzung. Überhaupt nicht automatisierbar sei zudem die soziale Komponente des Berufsfelds. Alles, was mit Empathie zu tun habe, sei nicht durch Technologien ersetzbar – und nicht immer sei auf die Technik auch Verlass: „Wenn ich den Patienten anschaue und sehe, das Bild von dem Menschen stimmt mit den automatisiert erhobenen Werten gar nicht überein, so etwas kann eine Maschine nicht herausfinden.“

    Gerade der soziale Aspekt sei den Bewerber*innen der Uniklinik Leipzig bei der Berufswahl jedoch besonders wichtig: „Ich gehe ja in die Pflege, weil ich mit Menschen am Bett arbeiten möchte.“ Wenn KI einen Beitrag dazu leiste, dass Fachkräfte nicht mehr die Hälfte ihrer Zeit am Schreibtisch verbringen müssten, und wieder mehr Zeit für ganzheitliche Pflege hätten, werde der Beruf dadurch wieder attraktiver – und bleibe dennoch krisensicher.

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    Menschen statt Maschinen: Soziale Berufe sind sicher

    Im sozialen Bereich sei Jobsicherheit „quasi schon Teil der Grundstruktur des Arbeitsfelds“, sagt Marc Aulerich von Kita Frankfurt, einem kommunalen Träger, der rund 150 Kinderbetreuungseinrichtungen in Frankfurt am Main betreibt. Gerade für Quereinsteiger*innen sei das Thema Jobsicherheit oft wichtig. Aber auch für Schüler*innen spiele der Aspekt bei der Berufswahl eine Rolle.

    In Frankfurt sei die Schulbetreuung stark ausgebaut worden. Wegen der demografischen Entwicklung bleibe der Fachkräftebedarf deshalb in Zukunft weiterhin bestehen: „In den nächsten Jahren gehen viele Kolleg*innen in den wohlverdienten Ruhestand und die Stellen müssen nachbesetzt werden.“

    Dass aber immer mehr Fachkräfte erfolgreich gewonnen werden können, liege vor allem daran, dass der Erzieherberuf in den vergangenen Jahren an gesellschaftlicher Wertschätzung hinzugewonnen, sagt Aulerich: „Mittlerweile ist klar, dass es hier nicht nur um Betreuung geht, sondern vor allem um Bildung und Erziehung.“ Durch die Tarifverträge im öffentlichen Dienst habe sich auch das Gehalt verbessert, und in der Ausbildung können Schüler*innen zwischen verschiedenen Wegen wählen: Praxisintegrierenden und berufsbegleitenden Varianten mit einem direkten Einstieg in die Praxis und einer schulischen Ausbildung, bei der die Theorie im Vordergrund steht und die zum Beispiel über Aufstiegs-BAföG finanziert werden kann. Auch das habe dazu beigetragen, dass der Beruf für junge Menschen nach der Schule immer attraktiver werde.

    Sicherheit biete der Erzieherberuf in vielen unterschiedlichen Facetten. Die Arbeit mit den Kindern sei nicht durch KI oder andere Technologien ersetzbar und werde auch in Zukunft eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe bleiben. „Wir als Träger sind überzeugt, dass unser Job weiterhin gebraucht wird, damit Kinder gut versorgt sind und eine verlässliche Bildung und Erziehung bekommen, und die Eltern arbeiten gehen können“, sagt Aulerich. Auch was die harten Fakten angeht, gibt es eine überdurchschnittlich hohe Jobsicherheit, ob durch unbefristete Arbeitsverträge, das Jobticket oder eine gute Altersversorgung.

    Ein besonderes Gefühl von Sicherheit vermittle außerdem die Sinnfrage. „Das spüren wir immer wieder bei Menschen, die sagen, sie möchten diesen Beruf lernen, damit sie einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.“ Diese persönliche Wahrnehmung von Sinn erzeuge subjektiv „ganz viel Sicherheit.“

    Gerade im Erzieherberuf sind jedoch Jobsicherheit und Selbstverwirklichung keine Gegensätze. Das sei auch wichtig, betont Aulerich, „denn eine Arbeit, die zwar sicher ist, die mir aber schwerfällt und bei der ich mich nicht wohlfühle, ist ja auch nicht das Gelbe vom Ei.“ Allerdings gebe es kaum ein Berufsfeld, in dem sich persönliche Interessen und Hobbys so gut einbringen ließen wie in der Pädagogik. Der Grund: „Ich kann aus fast allem ein Angebot für die Kinder machen.“ Wer musikalisch sei, könne mit den Jungen und Mädchen singen, Sportbegeisterte könnten sportliche Aktivitäten organisieren und Kreative malen und gestalten. All das mache den Beruf unglaublich spannend und vielfältig.

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    Kreative Berufe: KI statt Kunst?

    Ein Beispiel, wie sehr Automatisierung und KI die Arbeitswelt verändern können, ist die Kreativbranche. „Bei uns begann die Entwicklung schon vor vielen Jahren: In der Automobilwerbung wird klassische Fotografie zunehmend durch computergenerierte Bildelemente ergänzt oder teilweise ersetzt“, berichtet Ansgar Eidens, Professor für Brand Design an der Brand University of Applied Sciences in Hamburg. Auch im früheren IKEA-Katalog seien bereits etwa 75 Prozent der Produktbilder computergeneriert gewesen.

    Was das für Fotograf*innen, Illustrator*innen und andere Kreative bedeutet – oder eben für Schüler*innen, die bei ihrer Berufswahl den kreativen Bereich anvisieren? „Wenn es in die Richtung geht, nur Bilder zu produzieren, wird es tatsächlich schwierig“, sagt Eidens. Bei Studiengängen aus den Bereichen Fotografie oder Illustration, bei denen die Bildproduktion im Vordergrund stehe, „da wäre ich vorsichtig, ob ich direkt einen Berufseinstieg finde.“ Entscheidend sei, dass solche Studiengänge über die reine Bildproduktion hinaus gestalterische, konzeptionelle, strategische und digitale Kompetenzen vermitteln.

    Eidens selbst bezeichne KI als „die dritte Revolution im Design“. Nach DTP (Desktop Publishing) und dem Internet habe sich die Branche durch Künstliche Intelligenz noch einmal grundlegend verändert. Die neue Technologie biete eine nie dagewesene Variantenvielfalt. Ob Bildmotiv, Illustration, grafische Elemente für Kampagnen oder Logo – mit KI lasse sich innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an verschiedenen Versionen erstellen. Damit verändere sich die gestalterische Arbeit: Zur Entwicklung eigener Entwürfe komme die Auswahl und Bewertung der Ergebnisse hinzu.

    Das Problem dabei sei jedoch die Qualität. Wenn an diesem Prozess keine erfahrenen Designer*innen beteiligt seien, würden schnell unreflektierte und ästhetisch fragwürdige Bilder, Werbemittel oder Logos veröffentlicht. Er gehe aber davon aus, dass die Bedeutung professioneller Qualitätsbewertung in den kommenden Jahren wieder stärker erkannt werde. Die Auswahl aus der Vielzahl möglicher Ergebnisse sei keine reine Geschmacksfrage. . Um Qualität professionell beurteilen zu können, müsse man die Idee und Strategie hinter einer Kampagne oder Marke verstehen: „Ich muss zum Beispiel wissen, warum sich eine Marke neu erfinden oder verjüngen will.“

    Sein Ziel sei deshalb, seinen Studierenden genau diese Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben: „Sie sollen lernen, eigenständige Gestaltungsideen zu entwickeln und zu begründen, warum das zum Beispiel jetzt grün sein muss.“ KI werde dabei vom ersten Semester an ganz selbstverständlich eingesetzt– für die Generierung von Bildern, Filmen und Sounds, die Entwicklung digitaler Anwendungen wie Websites und Apps oder auch die Arbeit an Texten, Konzepten und Strategien.

    Zu verstehen, was eine Marke oder ein Unternehmen benötige, daraus eine eigenständige Gestaltung zu entwickeln und ein Projekt vom Briefing bis zur Präsentation zu begleiten, bleibe eine zentrale Aufgabe ausgebildeter Designer*innen.

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    Kreative Berufe

    Die richtigen Skills – dein Job ist vielleicht ersetzbar, du bist es nicht

    Als Fazit bleibt zu sagen: Sichere Jobs wird es weiterhin geben – doch Berufsbilder wandeln sich und die Arbeitswelt wird insgesamt unsteter. Worauf du aber weiterhin bauen kannst, das sind deine persönlichen Stärken und Interessen. Silke Richter von der IHK Hannover rät deshalb, bei der Studien- und Berufswahl weiterhin genau darauf zu setzen. Aus Unsicherheit einen Beruf zu ergreifen, der zwar augenscheinlich zukunftssicher sei, aber gar nicht den individuellen Talenten und Neigungen entspreche, sei nicht der richtige Weg, mahnt sie. Eine Ausbildung oder ein Studium seien „immer nur ein Start“, erklärt sie: „Die eigenen Interessen sind dafür der beste Ausgangspunkt.“ Man entwickle sich dann automatisch weiter und wachse in neue, sich verändernde Aufgaben hinein.

    Von Vorteil ist allerdings eine gewisse Technologieoffenheit – und zwar in allen Berufen. Auch im Handwerk gebe es inzwischen beispielsweise für die Auszubildenden ein digitales Berichtsheft, sagt Alexander Dietz von der Handwerkskammer Oberbayern: „In diese Programme muss man sich schon reinfuchsen, das ist etwas anderes, als mal ein paar Bilder auf Social Media zu posten.“ Gerade Schüler*innen mit Hauptschulabschluss seien oft geübt im Umgang mit dem Handy, aber mit der Arbeit am Computer nur wenig vertraut. Den meisten Auszubildenden falle es nicht schwer, sich diese Fähigkeiten anzueignen, versichert Dietz: „Aber, man muss es auch wollen.“

    Zunehmend gefragt sein werden außerdem Empathie und soziale Kompetenzen. „Solange wir noch keine Roboter haben, die auf Gefühle trainiert sind, wird Empathie gebraucht und Gesundheitsberufe bleiben krisensichere Jobs“, sagt Jannicke Schickert vom Universitätsklinikum Leipzig. Doch auch die verhältnismäßig stabilen sozialen Berufe sind vom Wandel betroffen. Die wichtigsten Skills für den Erzieherberuf seien grundsätzlich soziale Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein, betont Marc Aulerich von Kita Frankfurt. „Aber wenn die Welt sich entwickelt, verändert sich auch die Pädagogik.“ Deshalb sei auch im Berufsfeld der Erziehung lebenslanges Lernen gefordert: „Die Kinder vor fünf Jahren haben in einer ganz anderen Welt gelebt als die Kinder jetzt und die Kinder in fünf Jahren. Erzieher*innen müssen deshalb immer am Ball bleiben.“

    Sich auf den Wandel einzulassen und die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden, hält auch der Design-Professor Ansgar Eidens für eine Eigenschaft, mit der Berufseinsteiger*innen gut gerüstet sind für die Arbeitswelt von morgen. Ebenso wichtig sei die Fähigkeit, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und Menschen zu verstehen. Vor diesem Hintergrund seien Technologien wie KI eine Chance und keine Bedrohung.

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