Nach der Schule oder im Studium ein Auslandsjahr in den USA absolvieren – ist das nach wie vor ein Traum, oder unter der Trump-Regierung eher ein Alptraum? Laut Regina Pfeifer vom EU-Beratungsnetzwerk Eurodesk ist die Nachfrage für bestimmte USA-Auslandsaufenthalte gesunken. Vor allem die Prüfung der Social-Media-Profile bei der Einreise in die USA sorgt für Verunsicherung, berichten Mitarbeiter*innen der Austausch- und Studienberatung des Amerikahauses München. Bei den DAAD-Bewerbungen um ein Auslandsstudium in den USA gibt es keinen nennenswerten Rückgang, sagen Expert*innen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Allerdings raten Fachleute dazu, sich vor USA-Auslandsaufenthalten gut zu informieren und eine gewisse Vorsicht walten zu lassen.
USA-Aufenthalt trotz Trump?
Keine Visa mehr für Schüler*innen, Au-pairs und Studierende – im Mai 2025 ging diese Drohung des US-Präsidenten Donald Trump durch die Schlagzeilen. Ebenfalls wenig vertrauenerweckend: Trumps Versuch, ausländische Studierende von der Elite-Universität Harvard zu verbannen.
Doch wie sieht die Lage jetzt aus, rund ein Jahr nach dem Eklat rund um die Visavergabe? „Wir beobachten, dass es eine Verunsicherung gibt, wenn es um Reisen in die USA geht, und dass der Beratungsbedarf steigt“, sagt Regina Pfeifer, Mitarbeiterin der Organisation Eurodesk, die junge Menschen im Auftrag der EU und des Bundesfamilienministeriums über Auslandsaufenthalte berät. Teilweise seien die Medienberichte jedoch etwas übertrieben gewesen, räumt sie ein. Die Aussetzung der Visavergabe habe letztlich gar nicht wie angekündigt stattgefunden.
Zwar seien einige der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA katastrophal: „Sicher gibt es Menschen, die sich deshalb dagegen entscheiden, jetzt dort hinzugehen.“ Grundsätzlich bleibe Nordamerika aber ein interessantes Land, „und die USA ist nicht gleich Trump.“
Ähnlich beurteilt die Situation Ricarda Peil, Leiterin der Beratungsstelle USA des DAAD. Im Zuge der Medienberichterstattung zum Stopp der Visavergabe sei die Besorgnis zunächst groß gewesen: „Aber diese Verunsicherung kann zum Glück entkräftet werden“ Die Nachfrage nach Auslandsstipendien für die USA sei zwar im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken, sagt Almut Mester, die gemeinsam mit Gabriele Knieps das Stipendienreferat Nordamerika leitet. Einen nennenswerten Rückgang verzeichne sie aber nicht: „Wir haben jetzt beispielsweise mehr Anfragen als in der Zeit vor Corona.“
Auch das Amerikahaus sieht aktuell keine Probleme. „Die Programme gehen zur Zeit normal weiter“, berichtet eine Mitarbeiterin der Austausch- und Studienberatung. In den vergangenen Monaten habe die politische Situation faktisch keinen größeren Einfluss auf die Programmabläufe gehabt.
Dennoch rät Peil bei USA-Auslandsaufenthalten im Studium zu „einer gewissen Vorsicht und Reflektion.“ Gerade jetzt sei es wichtig, sich gut zu informieren. Das gilt natürlich auch für andere Programme für USA-Auslandsaufenthalte.
Programme für USA-Auslandsaufenthalte
Für USA-Auslandsaufenthalte gibt es fast alle gängigen Auslandsprogramme. Dazu gehören:
- Schüleraustausch
- Au-pair Programme
- Freiwilligendienste
- Auslandssemester
- Studienjahr oder ein ganzes Masterstudium im Ausland
Was es für die USA allerdings nicht gibt: Working-Holiday-Visa wie in Australien oder Neuseeland. Eine Arbeitserlaubnis zu bekommen ist in den Vereinigten Staaten schwierig – und Verstöße werden hart geahndet, unter Umständen bis zur Inhaftierung. Verboten sind sogar unbezahlte Jobs.
Unproblematisch ist in den USA ein Schüleraustausch. Von gemeinnützigen Schüleraustauschorganisationen habe sie die Rückmeldung bekommen, dass es bislang keinerlei Schwierigkeiten bei der Einreise gegeben habe, betont Pfeifer. Auch insgesamt seien die Schüler*innen mit ihrem USA-Auslandsaufenthalt zufrieden gewesen. Das Amerikahaus indes berichtet über Rückgänge von 13 bis 20 Prozent bei den High-School-Programmen im Schuljahr 2025/26. In den vergangenen Monaten sei die Nachfrage für USA-Aufenthalten für Schüler*innen auf Informationsmessen jedoch wieder gestiegen.
Für einen USA-Auslandsaufenthalt nach der Schule kommen beispielsweise Au-pair-Programme und Freiwilligendienste in Frage. Als Au-pair hast du in den USA eine Reihe von Rechten und bist vor Ausbeutung geschützt. Jedoch sind Au-Pair Programme in den USA nicht mehr so gefragt wie früher. Pfeifer zufolge sind die Teilnehmendenzahlen hier von 3.538 in 2017 auf 2.117 in 2024 zurückgegangen. Die Hauptzielländer für Au-pair-Aufenthalte seien 2024 Irland, Italien, Frankreich, Spanien und Australien gewesen.
Möglich sind in den USA außerdem auch Freiwilligendienste wie der Internationale Jugendfreiwilligendienst. Im Rahmen von Freiwilligendiensten in den USA zu arbeiten ist erlaubt – allerdings mit einigen Einschränkungen. „Es gibt aber viele Angebote im sozialen Bereich, was ja gerade in den USA auch spannend ist“, sagt Pfeifer.
Von USA-Auslandsaufenthalten im Studium lassen sich laut dem DAAD aktuell durch die politische Lage nur wenige abschrecken. Mit rund 10 Prozent liege der Rückgang der Teilnehmendenzahlen im Bereich der normalen Schwankungen, erklärt Mester. Zwar habe es im Frühsommer 2025 Turbulenzen gegeben, als mit dem Stopp der Visavergabe gedroht wurde und Harvard die Zulassung für internationale Studierende entzogen worden sei: „Wir haben damals mit den Beteiligten einige Videocalls gehabt.“ Jedoch habe sich nur eine Handvoll Studierende dazu entschieden nicht auszureisen oder den USA-Aufenthalt zu verschieben.
Warum es weiterhin viele Studierende aus Deutschland in die USA zieht? In bestimmten Bereichen seien amerikanische Universitäten weiterhin führend, sagt Gabriele Knieps, Co-Referatsleiterin für Nordamerika beim DAAD. Das gelte für Computerscience ebenso wie für die Start-up Szene. Auch für angehende Juristen könne die aktuelle Situation in den USA aus wissenschaftlicher Sicht interessant sein. Zudem sei es gerade an vielen US-Universitäten weit verbreitet, sich mit Universitäten wie Havard zu solidarisieren, nachdem die Regierung im letzten Jahr die Einreise internationaler Studierender versucht hat zu stoppen, ergänzt Peil. „Und ein Abschluss an einer der amerikanischen Top-Unis macht sich immer noch gut im Lebenslauf“, räumt Knieps ein.
Die politische Situation habe in erster Linie Auswirkungen auf die individuelle Motivation, so eine Mitarbeiterin des Amerikahauses: „Die Interessenten treffen immer für sich selbst die Entscheidung, ob sie einen USA-Aufenthalt antreten möchten oder nicht.“ Eine gewisse Vorsicht sei in der aktuellen Lage jedoch angebracht, sagt Peil.
Visum & Einreise: Darauf musst du achten
Für Unsicherheit sorge vor allem die Prüfung von Social-Media-Profilen bei der Einreise, heißt es seitens des Amerikahauses. Was viele nicht wissen: Schon vor der Trump-Regierung durften Grenzbeamte der USA die Accounts kontrollieren. Inzwischen ist dieses Verfahren jedoch Standard. Sinnvoll sei deshalb, die eigenen Social-Media-Profile vor einem USA-Auslandsaufenthalt frühzeitig zu reflektieren, rät Peil. Problematisch seien hier jedoch nur schwerwiegende Inhalte wie etwa Hinweise auf Terrorismus, räumt Pfeifer ein. Von Schwierigkeiten bei der Einreise aufgrund von Inhalten auf Social-Media-Profilen von Studierenden habe sie bislang nichts gehört, sagt auch Mester.
Davon abgesehen habe sich am Visaprozess nichts geändert. „Die Visaantragsstellungen deutscher Staatsbürger*innen werden wie gewohnt bearbeitet“, versichert eine Mitarbeiterin des Amerikahauses. Knieps empfiehlt außerdem, an einem der Online-Vorträge teilzunehmen, die das US-Konsulat in Frankfurt regelmäßig zum Visaverfahren hält.
Hilfreich sei auch, alle relevanten Dokumente bei der Einreise schon zur Hand zu haben, sagt Pfeifer. Dazu gehört zum Beispiel eine konkrete Zieladresse, die du ansteuerst – auch wenn du später herumreist und noch andere Orte besuchst. Klar nachweisbar sein muss auch der Grund deines USA-Aufenthalts und das Datum deiner Rückreise.
Nicht so einfach ist die Einreise unter Umständen, wenn du einen Migrationshintergrund hast. Nichtdeutsche Studierende können ihr USA-Visum inzwischen nicht mehr über die Botschaft ihres Landes in Deutschland beantragen, sagt Knieps: „Sie müssen jetzt dafür in ihr Heimatland reisen.“
In Schwierigkeiten kommen kannst du auch, wenn du nonbinär bist oder dein Geschlecht geändert hast: Laut auswärtigem Amt gilt in den USA aktuell nur das Geschlecht der Geburtsurkunde, die du in diesem Fall mitnehmen musst. Denn unter der Trump-Regierung wurden nicht nur Antidiskriminierungsgesetze abgeschafft, sondern auch eine Beschränkung auf die beiden biologischen Geschlechter männlich und weiblich eingeführt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Personenkreise jetzt sagen, in dieses Land gehe ich im Moment nicht“, sagt Pfeifer. „Ich find es schon wichtig, dass man politische Entwicklungen ernst nimmt und sich informiert und ein gutes Gefühl beim Auslandsaufenthalt hat.“
Infos & Vorbereitung zum USA-Auslandsaufenthalt
Am sichersten sei es, bei USA-Auslandsaufenthalten über Organisationen zu gehen, empfiehlt Pfeifer: „Die bereiten einen gut vor.“ Auch für Studierende, die ein Auslandsstudium über den DAAD absolvieren, gebe es Vorbereitungsseminare, sagt Mester.
Gerade wer Bedenken habe, solle seinen USA-Auslandsaufenthalt möglichst frühzeitig und detailliert organisieren, rät Peil: „Am besten gleich mit der Zielhochschule in Austausch gehen und die Informationen des Auswärtigen Amts verfolgen.“ Zusätzliche Sicherheit biete eine Reiserücktrittsversicherung.
Wichtige Infos für deinen USA-Auslandsaufenthalt findest du bei den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts im Internet. Denn in den Vereinigten Staaten gelten andere Gesetze als in Deutschland. Ein paar Beispiele:
- Je nach Bundesstaat Verbot von Trinken und Mitführen von Alkohol in der Öffentlichkeit
- Je nach Bundesland Verpflichtung einen Lichtbildausweis dabeizuhaben
- Oft strenges Nacktbadeverbot / Verbot von Baden ohne Oberteil für Frauen
- Oft hohe Haftstrafen für Besitz von Rauschmitteln, auch in kleinen Mengen
- Teilweise hohe Strafen für Verkehrsverstöße
Pfeifer rät, vor einem USA-Auslandsaufenthalt den Newsletter des Auswärtigen Amts zu abonnieren und sich in die ELEFAND-Liste (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) einzutragen, um im Notfall schneller Hilfe durch die deutsche Botschaft erhalten zu können. Ähnlich lautet die Empfehlung des Amerikahauses. „Wir raten jedem, die tagesaktuellen Entwicklungen zu verfolgen und sich über seriöse Quellen zu informieren, wie zum Beispiel das Auswärtige Amt“, sagt eine Mitarbeiterin.
Gut vorbereitet ist ein USA-Auslandsaufenthalt aber weiterhin möglich und sicher. Oder du wartest einfach ab, wie sich die politische Lage entwickelt. Denn Trumps Präsidentschaft währt nicht ewig. Vielleicht nach dem Abi Kanada first – und Amerika second, wenn du deinen Bachelor in der Tasche hast.

Auslandsprogramme auf der Berufsorientierungsmesse Stuzubi
Auch auf der Berufsorientierungsmesse Stuzubi kannst du dich über Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte informieren. Die Messetermine im Überblick



