Work and Travel gehört zu den gefragtesten Programmen für einen Auslandsaufenthalt nach dem Abi. Klassische Zielländer sind Australien, Neuseeland und Kanada. Um mit Work and Travel die Welt entdecken zu können, musst du mindestens 18 Jahre alt sein, brauchst je nach Land ein Visum und musst häufig auch finanzielle Rücklagen nachweisen.

Wie Work and Travel funktioniert, hat Jan Svensson kürzlich bei einem Online-Vortrag des Jugendinformationszentrums (JIZ) München erklärt.

Work and Travel: Jobben im Ausland

    Was ist Work and Travel?

    Jan Svensson , Auslandsexperte des Jugendinformationszentrums (JIZ) München, berät junge Menschen in Kooperation mit Eurodesk über Wege ins Ausland © JIZ

    Work and Travel bedeutet, zu jobben und dabei die Welt zu erkunden. „Viele machen das zwischen Schule und Studium oder Ausbildung“, sagt Jan Svensson, der im JIZ in München junge Leute im Alter von bis zu 26 Jahren über Wege ins Ausland berät.

    Wie der Auslandsaufenthalt mit Job konkret aussieht, kann aber individuell sehr unterschiedlich sein. Denn der Begriff Work and Travel ist nicht geschützt, und staatlich bezuschusst werden die Programme auch nicht. Meistens seien es Jugendliche zwischen 18 und 23 Jahren, die im Ausland in Aushilfsjobs arbeiten und sich damit ihre Reise finanzieren, erklärt Svensson.

    Extra-Tipp: Anders als bei öffentlich geförderten Auslandsprogrammen wie Freiwilligendiensten im Ausland besteht während eines Work and Travel Programms kein Anspruch auf Kindergeld.

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    Voraussetzungen für Work and Travel

    Welche Voraussetzungen du für einen Work and Travel-Auslandsaufenthalt mitbringen musst, hängt vom jeweiligen Land ab. Am einfachsten ist das Ganze in der EU: Du brauchst kein Visum, keine Arbeitserlaubnis und bist automatisch weiter krankenversichert. Wenn du volljährig bist, kannst du dich einfach auf Jobsuche begeben oder ein entsprechendes Programm über eine Agentur starten.

    Möchtest du raus aus Europa, ist ein Visum inklusive Arbeitserlaubnis nötig. Fürs Jobben während eines Auslandsaufenthalts gibt es dafür das Working-Holiday-Visum. „Das gilt meistens für ein Jahr und basiert auf bilateralen Abkommen, die Deutschland mit bestimmten Ländern geschlossen hat“, erklärt Svensson. Um ein Working-Holiday-Visum zu bekommen, musst du je nach Land bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehören Altersgrenzen, je nach Land der Nachweis von finanziellen Rücklagen bei der Einreise, und gebührenpflichtig sind die Visa in der Regel auch.

    Außerdem musst du in manchen Ländern eine Steuernummer beantragen, um dort arbeiten zu dürfen, und brauchst für die Bewerbungen auf deine Jobs teilweise einen internationalen Lebenslauf.

    Australien, Neuseeland, Kanada – die klassischen Zielländer

    Die klassischen Zielländer fürs Jobben im Ausland sind Australien, Neuseeland und Kanada. Diese Länder seien bereits eingestellt auf junge Aushilfskräfte, die nach der Schule kommen, um zu reisen und zu arbeiten: „Man wartet da jedes Jahr schon auf die Leute.“

    Für Australien kostet ein Working-Holiday-Visum aktuell 410 Euro. Es gilt für zwölf Monate und kann im Einzelfall verlängert werden. Bekommen kannst du das Visum, wenn du zwischen 18 und 30 Jahren bist – allerdings nur einmal im Leben. „Man sollte die Zeit, die man hat, deshalb auch nutzen und nicht nur für ein paar Wochen bleiben“, rät Svensson. Vorgeschrieben sind finanzielle Rücklagen von rund 3.200 Euro bei der Einreise.

    Ähnlich sind die Voraussetzungen für ein Working-Holiday-Visum für Australien: Altersgrenzen zwischen 18 und 30 Jahren, Dauer zwölf Monate mit Option auf Verlängerung und Gebühren von 400 Euro. Als finanzielles Polster wird eine Summe von rund 2.400 Euro verlangt. Etwas günstiger ist das Visum für Kanada. Du musst nur 1.700 Euro an Rücklagen mitbringen und die Gebühren kosten 220 Euro. Allerdings ist der Aufwand bei der Antragsstellung größer. Du musst dich biometrisch registrieren lassen. Das geht nur persönlich vor Ort in Berlin und Düsseldorf und kostet 60 Euro. Die Altersobergrenze für Working-Holiday-Visa ist mit 35 Jahren etwas höher als in Australien und Neuseeland. In Kanada wird jedes Jahr nur eine bestimmte Anzahl an Visa fürs Jobben vergeben.

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    Geht Work and Travel auch in Amerika, Asien und Europa?

    Und wie sieht es mit Amerika aus? Die USA seien kein klassisches Work and Travel-Land, räumt Svensson ein. „In den Vereinigten Staaten gibt es zwar das Summer Work Travel-Visum mit einer Arbeitserlaubnis für vier Monate, falls da jemand hin will“, sagt Svensson. Allerdings werde dieses Visum nur im Rahmen eines Auslandsstudiums an Studierende vergeben. Verbreitet seien auch Au-pair-Programme. Ein Work and Travel-Land mit entsprechenden bilateralen Abkommen seien die Vereinigten Staaten nicht.

    Für einige südamerikanische Länder wie Uruguay oder Argentinien gibt es dagegen Working-Holiday-Visa. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit sei es dort aber oft nicht so einfach, genügend Jobs zu finden. Auch sei der Stundenlohn in diesen Ländern deutlich niedriger als in Deutschland.

    In einigen asiatischen Ländern wie Japan und Südkorea ist das Jobben während eines Auslandsaufenthalts ebenfalls möglich. Zu bedenken seien hier jedoch die Sprachbarrieren und kulturellen Unterschiede. „Deshalb empfehlen wir eher die englischsprachigen Länder“, sagt Svensson. Eine Ausnahme bildet dabei Großbritannien. Seit dem Brexit sei dort eine Arbeitserlaubnis ähnlich schwierig zu bekommen wie in den USA, berichtet der Experte.

    Bei Ländern innerhalb der EU ist das alles kein Thema: Du kannst jobben, wo du willst, solange du willst, und musst dich um Fragen wie Visum, Arbeitsgenehmigung, vorgeschriebene finanzielle Mindestrücklagen oder eine Auslandskrankenversicherung nicht zu kümmern. Trotzdem ist Work and Travel in der EU nicht so verbreitet wie in Australien, Neuseeland oder Kanada. Die europäischen Länder seien bislang weniger auf diese Form des Auslandsaufenthalts eingestellt: „Deshalb gibt es für diesen Bereich nicht so viele Jobs.“ Doch was sind eigentlich die typischen Work and Travel Jobs?

    Extra-Tipp: Bei Ländern mit niedrigen Löhnen und wenig Jobangeboten ist es oft sinnvoller, in Deutschland zu arbeiten und mit den Ersparnissen den Auslandsaufenthalt zu finanzieren, als das Geld mit Jobs vor Ort zu verdienen, rät Svensson.

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    Welche Jobs gibt es bei Work and Travel und wie finde ich sie?

    Eine klare Definition, was Work and Travel Jobs sind, gibt es nicht. Grundsätzlich ermöglichen dir Working-Holiday-Visa jede Tätigkeit, für die du qualifiziert genug bist. In der Praxis machen aber die meisten jungen Leute, die nach der Schule für ein paar Monate oder ein Jahr einfach nur das Land kennenlernen wollen, Aushilfsjobs, für die es kein besonderes Know-how braucht. Auch wie viel im Auslandsaufenthalt gearbeitet werde sei völlig individuell: „Manche bessern damit nur gelegentlich ihre Reisekasse ein bisschen auf.“ Üblich sei aber oft, zwei Drittel der Zeit zu jobben und in der übrigen Zeit das Land zu bereisen.

    Häufig seien Jobs in der Landwirtschaft, etwa bei der Ernte, sagt Svensson: „Wenn in Australien die Kiwis reif werden, warten die Farmer oft schon auf die jungen Leute aus Europa, die mithelfen.“ Auch im Tourismus, in der Gastronomie, für Hostessen auf Veranstaltungen oder im Supermarkt gebe es viele Jobs „oder man verteilt einfach Flyer.“

    Doch birgt das Jobben im Ausland nicht das Risiko von Ausbeutung? Die Gefahr, ausgenutzt zu werden, sei gering, versichert Svensson. Verbindliche Arbeitsverträge für längere Zeitabschnitte würden in der Regel nicht abgeschlossen: „Wenn ein Job nicht passt, kann man also einfach weiterziehen.“

    Doch birgt das Jobben im Ausland nicht das Risiko von Ausbeutung? Die Gefahr, ausgenutzt zu werden, sei gering, versichert Svensson. Verbindliche Arbeitsverträge für längere Zeitabschnitte würden in der Regel nicht abgeschlossen: „Wenn ein Job nicht passt, kann man also einfach weiterziehen.“

    Eine weitere Variante: Arbeiten gegen Kost und Logis, beispielsweise bei sogenannten Farmstays – dann ist auch die Frage der Unterkunft geklärt.

    Jobs im Ausland
    Internationale Jobbörsede.indeed.com/worldwide
    Internationale Jobbörseau.seek.com/international-jobs
    Wwoofingwwoof.net
    Farmstays und andere Jobs für Kost & Logiswww.helpx.net
    Work and Travel-Jobs allgemeinwww.workaway.info

    Allerdings hast du bei Work and Travel noch viele weitere Möglichkeiten, wie du während deines Auslandsaufenthalts wohnen kannst.

    Die Unterkunft: Hostel, Camping, Couchsurfing oder Jobs mit Kost und Logis

    Wo und wie du bei deinem Auslandsaufenthalt lebst, ist meistens vor allem eine Kostenfrage. Ist dein Budget ein bisschen größer, kannst du dir über Plattformen wie Airbnb eine Wohnung nehmen. In der Regel kommen die jobbenden Weltenbummler*innen aber in günstigen Hostels unter. Einkalkulieren solltest du dafür 20 bis 30 Euro pro Nacht.

    Je nach persönlichen Vorlieben und Aufenthaltsdauer kann auch Camping eine Option sein. Bleibst du nicht so lang an einem Ort, findest du auf Plattformen für Couchsurfing einen Schlafplatz. Oder du wohnst beim Petsitting kostenfrei in einer Wohnung oder einem Haus von Leuten, die auf Reisen sind, und kümmerst dich in dieser Zeit um ihre Haustiere.

    Außerdem gibt es in den klassischen Work and Travel-Ländern auch viele Jobs, die eine kostenfreie Unterkunft und Verpflegung beinhalten. Besonders verbreitet sei das Arbeiten gegen Kost und Logis in der Landwirtschaft, sagt Svensson. Der Vorteil: „Man lebt dann eng mit der Farmerfamilie zusammen und bekommt viele Einblicke in die Lebensweise und Kultur des Landes.“ Gängig ist das zum Beispiel beim sogenannten Wwoofen, dem Arbeiten auf einem Biobauernhof: Du hilfst für einige Wochen oder Monate werktags jeweils sechs Stunden am Tag mit und lebst in dieser Zeit auf der Farm, inklusive Essen.

    Wohnen Work & Travel
    Hostel-Angebotehostelworld.com/de
    Pet- / Housesittungtrustedhousesitters.com/
    Private Übernachtungencouchsurfing.com
    Campingplätze Australien/Neuseelandwikicamps.co
    Wohnungsbörseairbnb.com 

    Ebenso wie die Jobs ergeben sich Unterkünfte beim Work and Travel oft spontan. Trotzdem ist eine gute Planung und Vorbereitung gerade bei dieser Form des Auslandsaufenthalts wichtig. Denn um am Ende keine bösen Überraschungen zu erleben, müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

    Tipps zur Planung deines Auslandsaufenthalts

    Für die Planung und Vorbereitung eines Work and Travel-Aufenthalts empfiehlt Svensson, rund sechs Monate Vorlauf einzukalkulieren. Dabei hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst über eine Agentur gehen oder dein Auslandsjahr selbst organisieren. Die Planung in Eigenregie sei aufwändig, könne jedoch ein bisschen Geld sparen, „aber nicht viel“, räumt Svensson ein.

    Über eine Agentur musst du deinen Auslandsaufenthalt mindestens drei bis fünf Monate vor deiner Abreise buchen. „In der Zeit rund ums Abi kann es wegen der vielen Interessenten auch länger dauern“, sagt Svensson. Agenturen unterstützen dich zum Beispiel beim Beantragen deines Visums und helfen dir auch vor Ort. Du wirst vom Flughafen abgeholt, „und meistens sind auch noch zwei Nächte im Hostel im Preis inbegriffen.“ Oft kannst du auch Sprachkurse und Praktika mit dazubuchen. Deine Jobs musst du dir allerdings in der Regel selbst suchen. Ebenfalls gut zu wissen: Offizielle Qualitätskriterien gibt es für die Agenturen nicht. „Deshalb ist es wichtig, das Kleingedruckte zu lesen und genau zu schauen, was man für sein Geld bekommt“, rät Svensson.

    Sowohl bei Agenturprogrammen als auch bei selbst organisierten Auslandsaufenthalten gilt: Je besser du dich informierst, desto sicherer bist du. Hilfreich sind hier die Reisehinweise auf den Internetseiten des Auswärtigen Amts. Auch die aktuelle Wirtschaftslage im Land solltest du im Blick behalten. „Es gab zum Beispiel mal einen Ernteausfall in einer Region, da sind dann viele nach ein bis zwei Monaten wieder zurückgekommen weil die Jobs wegfielen“, berichtet Svensson.

    Um bei möglichen Krisen und unvorhergesehenen Ereignissen im Land abgesichert zu sein und schnellstmöglich Unterstützung zu bekommen, ist es außerdem sinnvoll, sich beim Auswärtigen Amt zu registrieren. In der sogenannten ELEFAND-Liste (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) kannst du eintragen, in welchem Zeitraum du dich in welchem Land aufhältst. Neben deiner Krankenversicherung solltest du auch eine Auslandsreiseversicherung, eine Reisehaftpflichtversicherung und eine Reiserücktrittsversicherung abschließen und natürlich mit deinem Arzt über die notwendigen Impfungen sprechen.

    Und wie sieht es mit den Finanzen aus? Svensson empfiehlt ein Sicherheitspolster von 1.500 Euro für einen Monat, „damit es auch mal ein paar Wochen ohne Job geht und man nicht jede Arbeit annehmen muss, die man vielleicht gar nicht machen mag.“ Insgesamt solltest du inklusive Reisekosten ein Startkapital von bis zu 5.000 Euro einplanen. Hilfreich sei auch, sich über Erfahrungsberichte auf Internetplattformen schon im Vorfeld über Arbeitsbedingungen und einzelne Arbeitgeber zu informieren. Persönliche Beratung und Unterstützung bei der Planung gibt es außerdem bei der Organisation Eurodesk. Unter rausvonzuhaus.de findest du viele Informationen und kannst auch einen individuellen Termin vereinbaren – für München beispielsweise mit Jan Svensson.

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