Immer mehr Schüler*innen machen in Deutschland das Abitur. Etwa die Hälfte der Schulabgänger*innen haben Abi oder Fachabi. Du gehörst zur anderen Hälfte? Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen! Die Zahl derjenigen, die es auch ohne Abi an eine Uni oder Hochschule schaffen, steigt nämlich ebenfalls – und zwar rasant. Wie studieren ohne Abitur funktioniert, verrät dir unser Beitrag.

Studium ohne Abitur

    Kann man überhaupt studieren ohne Abitur?

    Die gute Nachricht: Studieren ohne Abitur ist möglich. Die schlechte Nachricht: Wenn du dich direkt nach deinem mittleren Schulabschluss oder Hauptschulabschluss an einer Hochschule oder Universität einschreiben möchtest, funktioniert das leider nicht.

    Trotzdem ist auch Schüler*innen ohne Abi der Weg in ein Studium nicht versperrt.  dauert nur ein bisschen länger, denn um an einer Hochschule oder Universität ohne Hochschulreife zugelassen zu werden, musst du je nach Bundesland bestimmte berufliche Qualifikationen nachweisen können, die du nach deinem Schulabschluss noch nicht hast.

    Seit 2009 gibt es in Deutschland jedoch verstärkt die Möglichkeit, ohne eine an der Schule erworbene Hochschulreife oder Fachhochschulreife zu studieren. Immer mehr Menschen mit mittlerem Schulabschluss oder Hauptschulabschluss machen von diesem Angebot Gebrauch. Hatten 2002 nur 0,7 Prozent der Studierenden kein Abitur, waren es laut einer im März 2022 veröffentlichten Untersuchung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2020 mit 2,2 Prozent mehr als dreimal so viele. An Privathochschulen lag der Anteil von Erstsemestern ohne Abitur 2020 sogar bei knapp 10 Prozent.

    Studieren ohne Abitur, Stuzubi Infografik © Stuzubi GmbH
    Auch mit Mittlerem Schulabschluss oder Hauptschulabschluss steht dir der Weg an die Uni oder Hochschule offen. © Stuzubi GmbH

    Studieren ohne Abitur nach einer Ausbildung

    Die Voraussetzungen für ein Studium ohne Abi unterscheiden sich je nach Bundesland. Eine Bedingung ist aber überall in Deutschland gleich: Studieren ohne Abitur geht nur mit einer abgeschlossenen Ausbildung. Je nachdem, wo du studieren möchtest, musst du zusätzlich außerdem noch einige Jahre Berufserfahrung mitbringen. Deine berufliche Qualifikation wird dann gewertet wie eine fachgebundene Hochschulreife. Das bedeutet: Du kannst zwar studieren, darfst dich aber nur für Studiengänge einschreiben, die etwas mit deinen beruflichen Erfahrungen zu tun haben. Ein Beispiel: Wenn du eine Pflegeausbildung absolviert hast, kannst du Gesundheitswissenschaften studieren, aber nicht Maschinenbau.

    Als gleichwertig zur allgemeinen Hochschulreife gelten außerdem bestimmte Weiterbildungen wie zum Beispiel eine bestandene Meisterprüfung oder erfolgreiche Fortbildungen zum Techniker oder Fachwirt. Als Meister*in, Techniker*in oder Fachwirt*in kannst du dich wie nach einem Abitur am Gymnasium grundsätzlich für jeden Studiengang bewerben. Das gleiche gilt in den meisten Bundesländern auch für bestimmte Ausbildungen an staatlich anerkannten Fachschulen, wie zum Beispiel die Ausbildung zur/zum staatlich geprüften Erzieher*in.

    Welche Voraussetzungen du in den verschiedenen Bundesländern erfüllen musst, um auch ohne Abi studieren zu können, erklärt dir unser Beitrag Ohne Abitur studieren nach der Ausbildung.

    Studieren ohne Abitur 1

    Studiengänge ohne Abitur

    Grundsätzlich kannst du alle Studiengänge studieren ohne Abitur. Auch ein Medizinstudium, ein Jurastudium oder ein Studium auf Lehramt ist ohne Abi möglich. Für manche Fächer wie zum Beispiel Lehramt für Hauptschulen oder Lehramt für Realschulen gibt es aber für Bewerber*innen ohne Abitur nur sehr wenig Studienplätze. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen, den sogenannten NC-Fächern, für die du dich meistens über das Portal hochschulstart bewerben muss, kommen weitere Hürden hinzu. In der Regel gilt bei NC-Studiengängen zum Beispiel die Note der Abschlussprüfungen der Berufsausbildung oder Meisterprüfung als Ersatz für die geforderte Mindestnote beim Abischnitt.

    Die meisten Studierenden ohne Abi entscheiden sich für Studiengänge aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Mehr als die Hälfte schreiben sich für einen Studiengang aus diesem Bereich ein. Am zweithäufigsten sind Studiengänge aus den Ingenieurwissenschaften, gefolgt von den Gesundheitswissenschaften und der Medizin.

    Medizin studieren ohne Abitur

    Arzt oder Ärztin zu werden ist auch mit Abitur nicht einfach. Der NC für Humanmedizin liegt je nach Bundesland bei Abiturnoten zwischen 1,0 und 1,2. Sowohl ein Medizinstudium als auch der Studiengang Zahnmedizin ist bei Bewerber*innen ohne Abi allerdings so beliebt, dass das CHE dazu 2021 eine eigene Broschüre dazu herausgegeben hat. Auch Medizin und Zahnmedizin kannst du mit einer bestandenen Meisterprüfung, einem Abschluss als Techniker*in, Fachwirt*in, Berufsausbildungen an bestimmten staatlich anerkannten Fachschulen oder einer fachlich geeigneten dualen Berufsausbildung studieren ohne Abitur gemacht zu haben. In Frage kommen zum Beispiel Ausbildungen als medizinische*r Fachangestellte*r, Pflegefachfrau/mann Physiotherapeut*in oder Rettungssanitäter*in.

    Je nach Bundesland und Hochschule werden zusätzlich einige Jahre Berufserfahrung und eine dem NC entsprechende Abschlussnote bei der beruflichen Qualifikation verlangt. Alternativ dazu ist ein Medizinstudium ohne Abi an manchen Hochschulen und Universitäten, zum Beispiel auch einigen Privathochschulen, ohne NC möglich, wenn du einen Eignungstest bestehst.

    Psychologie studieren ohne Abitur

    Welche Voraussetzungen du mitbringen musst, um Psychologie zu studieren ohne Abitur, unterscheidet sich nicht nur nach Bundesland, sondern auch von Hochschule zu Hochschule. Auch hier gilt: Als Meister*in, Techniker*in und Fachwirt*in kannst du dich auf jeden Fall grundsätzlich überall für einen Studienplatz in Psychologie bewerben. Welche Ausbildungen als fachbezogen anerkannt werden, ist aber nicht einheitlich geregelt. An einigen Hochschulen kannst du mit jeder mindestens zweijährigen Berufsausbildung Psychologie studieren, wenn du einen Aufnahmetest bestehst.

    Extra-Tipp: Wenn du Psychotherapeut*in werden möchtest, musst du nach deinem Studium in Psychologie eine kostenpflichtige Zusatzausbildung absolvieren. Das betrifft Hochschulabsolventen und -absolventinnen mit und ohne Abitur.

    Studieren ohne Abitur 2

    Jura studieren ohne Abitur

    Ohne Abitur Anwalt werden oder Richter*in ist ebenfalls möglich. Studieren ohne Abitur geht im Fach Jura über drei verschiedene Wege:

    • Fachbezogene Ausbildung, zum Beispiel Rechtsanwaltsfachangestellte*r oder Justizfachangestellte*r, je nach Bundesland plus Berufserfahrung
    • Je nach Bundesland Berufsausbildung an bestimmten staatlich anerkannten Fachschulen
    • Prüfung zum Meister, Fachwirt oder Techniker
    • Mindestens zweijährige fachfremde Berufsausbildung und eine bestandene Zugangsprüfung für Jura an der jeweiligen Universität.

    Extra-Tipp: Wenn du als Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin oder Richter*in arbeiten möchtest, musst du ein klassisches Jurastudium absolvieren, das mit dem zweiten Staatsexamen abschließt. Zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen findet ein zweijähriges Referendariat statt, in dem du praktische Erfahrungen sammelst. Ein Jurastudium dauert deshalb in der Regel sieben Jahre und damit deutlich länger als normale Bachelorstudiengänge, in denen du meistens nach drei oder vier Jahren einen Abschluss hast.

    BWL studieren ohne Abitur

    BWL gehört zu den beliebtesten Studiengängen bei Bewerber*innen ohne Abitur. Das Angebot an Studiengängen für Studierende ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ist groß, besonders auch an Privathochschulen. Studieren ohne Abitur kannst du in der Fachrichtung BWL nach einer kaufmännischen Ausbildung und je nach Bundesland und Hochschule einigen Jahren Berufserfahrung. Außerdem kannst du dich nach einer bestandenen Prüfung zum Meister, Techniker oder Fachwirt oder je nach Bundesland nach Berufsausbildungen an bestimmten staatlich anerkannten Fachschulen für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge einschreiben. Viele Hochschulen ermöglichen außerdem auch fachfremden Bewerber*innen ohne Abitur mit abgeschlossener Ausbildung ein BWL-Studium mit einem Aufnahmetest.

    Soziale Arbeit studieren ohne Abitur

    Studieren ohne Abitur bietet sich im Fachbereich Soziale Arbeit vor allem dann an, wenn du eine Ausbildung in einem sozialen Beruf absolviert hast. Mit einem Abschluss als staatlich geprüfte Erzieherin kannst du in der Regel sofort ins Studium starten. Bei Ausbildungen in anderen Berufen wie zum Beispiel Kinderpfleger*in oder Pflegefachfrau/-mann werden in einigen Bundesländern einige Jahre Berufserfahrung verlangt, bevor du dich an einer Universität oder Hochschule für den Studiengang Soziale Arbeit einschreiben kannst.

    In der Fachrichtung Soziale Arbeit studieren ohne Abitur außerdem auch möglich, wenn du einen Abschluss als Meister*in in einem Handwerksberuf hast oder Techniker*in bist. Allerdings sind Bewerber*innen mit diesem beruflichen Hintergrund im sozialen Bereich eher selten.


    Studiengänge ohne Abitur auf der Berufsorientierungsmesse Stuzubi

    Studieren ohne Abitur ist auf verschiedenen Wegen möglich. Welcher Weg für dich der Beste ist, erfährst du auf der Studien- und Ausbildungsmesse Stuzubi. Wenn du noch keine Berufsausbildung hast, findest du auf der Berufsorientierungsmesse außerdem viele interessante Ausbildungsangebote, und kannst damit schon einmal den Grundstein für dein späteres Studium legen.

    Die Stuzubi Messen in 13 Städten in Deutschland...

    ... oder ganz easy digital mit deinem Laptop!

    Stuzubi hilft dir, deine Traumausbildung zu finden.

    In der Stuzubi Stellenbörse findest du interessante Praktika- und Traineestellen​

    Das könnte dich auch interessieren:

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Melde dich jetzt gleich für unseren Newsletter an und bleibe immer top informiert!