Sind alle Stipendiat*innen Einser-Schüler*innen? Und gibt es Stipendien nur fürs Studium? Ein Stipendium zu ergattern ist viel einfacher, als du denkst – außerdem ist die Unterstützung nicht nur für Studierende, sondern auch für Auszubildende gedacht. Am häufigsten wird das Deutschlandstipendium vergeben, aber auch bei politischen Parteien, der Kirche und vielen verschiedenen kleineren Stiftungen kannst du dich für ein Stipendium bewerben. Im Stuzubi Ratgeber Stipendium erfährst du alles über Stipendien: Wo du dich für ein Stipendium bewerben kannst, wie viel Geld du bekommst und was für Unterstützungsangebote Stipendien außer der finanziellen Förderung noch beinhalten.

Sich zu bilden ist wichtig, bringt aber meistens erst einmal kein Geld. Damit du dich besser aufs Lernen konzentrieren kannst, gibt es Möglichkeiten finanzieller Unterstützung. Eine davon ist das Stipendium. Anders als das BAföG bekommst du ein Stipendium in der Regel unabhängig vom Einkommen der Eltern und du musst das Geld auch nicht zurückzahlen. Außerdem beinhalten Stipendien neben der finanziellen Förderung noch viele weitere Angebote, die dir bei deiner beruflichen Karriere helfen. Was für Stipendien es gibt und wie du sie bekommst, erfährst du hier.

Stipendien: das Wichtigste auf einen Blick

    Stipendien fürs Studium und für die Ausbildung

    Stipendien gibt es für Studierende und seit 2024 auch für Auszubildende. Die meisten Begabtenförderungswerke, die Studierende unterstützen, fördern auch Azubis. Ähnlich sind auch die Bewerbungsvoraussetzungen, die für Stipendien fürs Studium und Ausbildungsstipendien gelten, und die Leistungen, die Stipendiat*innen in der Ausbildung und im Studium bekommen.

    Weil Ausbildungsstipendien noch relativ neu sind, sind sie allerdings noch nicht sehr verbreitet. Bisher wird nur ein sehr kleiner Teil der Azubis mit einem Stipendium unterstützt. Doch wenn du gute Noten hast und dich ehrenamtlich engagierst, solltest du es auf jeden Fall versuchen. Denn ein Stipendium bringt dir viele Vorteile – nicht nur während der Ausbildung, sondern auch für deine spätere berufliche Karriere.

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    Welche Stipendien gibt es?

    Das größte und bekannteste Stipendium hierzulande ist das Deutschlandstipendium. Mehr als ein Prozent aller Studierenden in Deutschland werden mit einem Deutschlandstipendium unterstützt – Tendenz steigend. Die älteste Stiftung für Stipendien ist die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Das Deutschlandstipendium und die Studienstiftung des Deutschen Volkes sind politisch unabhängig und vergeben ihre Stipendien bevorzugt an besonders begabte Bewerber*innen. Stipendien für Auszubildende gibt es unter anderem bei der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) unter dem Namen Stipendium für Talente in der beruflichen Bildung (Tibb) und für den Großraum Düsseldorf und Berlin bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft unter der Bezeichnung Stipendium für Talente in der Ausbildung (TidA).

    Auch die Stiftungen der großen Parteien vergeben Stipendien, und zwar größtenteils sowohl fürs Studium als auch für die Ausbildung:

    Extra-Tipp: Wer sich hier bewirbt, muss nicht unbedingt Parteimitglied sein – eine gewisse Parteinähe ist aber vorteilhaft. Gesellschaftliches Engagement bringt bei der Bewerbung Pluspunkte.

    Die Kirchen fördern Studierende mit konfessionellen Stiftungen:

    Extra-Tipp: Um ein Stipendium des Cusanuswerks zu bekommen, musst du katholisch sein. Das Evangelische Studienwerk Villigst unterstützt im Einzelfall aber auch Stipendiat*innen, die nicht evangelisch getauft sind.

    Fürs Studium gibt es daneben noch zahlreiche weitere Stiftungen. Nach Angaben des Portals studienwahl.de* können sich Studierende bei insgesamt mehr als 2.500 Stipendiengebern und anderen Förderprogrammen für eine Unterstützung bewerben. Datenbanken für Stipendien fürs Studium gibt es beim Deutschen Bildungsserver.

    Das Auslandsstipendium

    Auch ein Auslandsstudium kannst du mit einem Stipendium finanzieren. Wer ein oder mehrere Auslandssemester an einer Hochschule im europäischen Ausland verbringen möchte, kann sich für das Förderprogramm Erasmus + der EU bewerben. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt Studierende bei Auslandsaufenthalten auf der ganzen Welt. Ein Auslandsstipendium steuert nicht nur Geld für den Lebensunterhalt bei. Oft können auch die Studiengebühren mit den Fördermitteln bezahlt werden, die an ausländischen Hochschulen mitunter richtig teuer sind. Bei einigen Programmen ist sogar ein Zuschuss zu den Reisekosten enthalten.

    Für einen Auslandsaufenthalt kannst du außerdem auch eine finanzielle Förderung bekommen, wenn du eine Ausbildung machst. Das Förderprogramm Erasmus + der Europäischen Union unterstützt zum Beispiel ein Auslandspraktikum in der Ausbildung. Firmen, die ihre Auszubildenden in ferne Länder schicken möchten, können unter anderem bei dem Programm Ausbildung Weltweit Fördergelder beantragen.

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    Ratgeber Stipendium 1

    Voraussetzungen für ein Stipendium

    Die Voraussetzungen für Stipendien sind je nach Art der Förderung ganz verschieden. Je nach Stiftung spielen gute Noten eine mehr oder weniger große Rolle, Pluspunkte bringen überdurchschnittliche Leistungen bei deiner Bewerbung für ein Stipendium aber immer. Ein Gerücht ist jedoch, dass nur Überflieger mit Einser-Abi Chancen auf die finanzielle Unterstützung haben.

    Auch ehrenamtliches Engagement, besondere außerschulische Fähigkeiten und der Ausgleich bestimmter Benachteiligungen oder schwieriger persönlicher Verhältnisse können bei der Vergabe eine Rolle spielen – etwa eine chronische Erkrankung oder alleinerziehend zu sein. Es gibt Förderprogramme, die nur an Kinder von Eltern bestimmter Berufsgruppen vergeben werden, etwa an Söhne und Töchter aus Arztfamilien, oder Förderprogramme, die sich an Studierende oder Auszubildende aus bestimmten Städten richten. Die Vergabekriterien sind sehr vielfältig – du wirst überrascht sein.

    Auch bei Ausbildungsstipendien zählen gute Noten und gesellschaftliches Engagement, etwa in der Schule oder in Vereinen. Meistens wird mit einem Stipendium jedoch ein Studium gefördert. Dabei kann es sich um ein Bachelorstudium, ein Masterstudium oder auch um eine Promotion handeln. In diesen Fällen ist natürlich die Hochschulreife oder Fachhochschulreife nötig. Oft werden außerdem Empfehlungsschreiben von Dozent*innen verlangt. Häufig gibt es auch bestimmte Altersgrenzen.

    Informiere dich am besten ausführlich über die verschiedenen Stipendien und bewirb dich – die Aussichten auf Erfolg sind besser als du denkst.

    Stipendien im Überblick, Stuzubi Infografik © Stuzubi GmbH
    Stipendien im Überblick, Stuzubi Infografik © Stuzubi GmbH

    Welche Förderangebote bieten Stipendien?

    Ein Stipendium unterstützt dich nicht nur mit Geld. Einige Programme beinhalten auch eine persönliche Betreuung der Studierenden. Die Stipendiat*innen werden zum Beispiel zu Tagungen eingeladen und können so interessante Kontakte für den späteren Berufseinstieg oder eine wissenschaftliche Laufbahn knüpfen. Sie können an besonderen Seminaren oder teilweise auch Mentoring-Programmen teilnehmen. Auch Veranstaltungen wie Sommercamps werden bei manchen Programmen angeboten. Alumni-Netzwerke vermitteln Verbindungen zu Unternehmen und schaffen damit ein Sprungbrett für einen erfolgreichen Karrierestart. 

    Wie viel Geld bekomme ich mit einem Stipendium?

    Die Höhe der Zahlungen variiert je nach Stipendienprogramm. Wer BAföG bezieht, sollte sich im Vorfeld genau informieren. Nicht alle Stipendien sind mit BAföG kombinierbar. Unter Umständen kannst du dann aber von der Stiftung, die dein Stipendium bezahlt, eine zusätzliche Förderung in Höhe deines BAföG-Anspruchs bekommen.

    Beim Deutschlandstipendium und den meisten anderen Stipendien beträgt die Förderung 300 Euro im Monat. Es gibt aber auch Stipendien, die deutlich höher ausfallen. Manche Dissertationen und Auslandsprojekte werden sogar mit vierstelligen Beträgen pro Monat gefördert. Grundsätzlich kann das Stipendium für die gesamte Studiendauer bezogen werden, wenn die Regelstudienzeit nicht überschritten wird. Stipendien für Auszubildende werden für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren vergeben – also so lange, wie die meisten Berufsausbildungen dauern.

    Wie hoch ist meine Chance auf ein Stipendium?

    Laut dem Portal studienwahl.de* bekommen rund fünf Prozent aller Studierenden ein Stipendium. Viele kleinere Stiftungen bleiben allerdings sogar auf ihren Fördermitteln sitzen, weil sie keine Bewerber*innen finden, die ihre geforderten Kriterien erfüllen. Vor dem Studium etwas Zeit in die Recherche passender Stipendien zu investieren, lohnt sich deshalb auf jeden Fall. Die Chancen auf ein Stipendium sind gar nicht schlecht.

    In der Berufsausbildung ist die Zahl der Stipendiat*innen deutlich niedriger – denn das Ganze ist bisher noch ein Pilotprojekt. Für die Jahre 2024, 2025 und 2026 war jeweils die Vergabe von 1.000 Ausbildungsstipendien pro Jahr vorgesehen.

    Extra-Tipp: Hoch sind die Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung auf ein Stipendium oft auch bei den kleineren Organisationen. Denn manche Stiftungen sind so unbekannt, dass ihre Fördermittel teilweise gar nicht abgerufen werden. Hier lohnt sich auf jeden Fall eine intensive Recherche.

    Wie bewerbe ich mich für ein Stipendium?

    Die Bewerbung für ein Stipendium erfolgt normalerweise online über die Portale der jeweiligen Stiftung oder des Begabtenförderungswerks. Welche Unterlagen du einreichen musst, richtet sich nach dem jeweiligen Programm. In der Regel brauchst du:

    • Lebenslauf
    • Motivationsschreiben
    • Zeugnisse
    • Ausweiskopie

    Gerade das Motivationsschreiben spielt meistens eine große Rolle. Wenn deine schriftliche Bewerbung ausgewählt wurde, wirst du zu einem Gespräch eingeladen. Das kann unter Umständen erst einmal online stattfinden, jedoch erfolgt danach in der Regel bei einem zweiten Termin ein persönliches Kennenlernen vor Ort. Bei bestimmten Stipendien beinhaltet das Auswahlverfahren sogar mehrtägige Assessment Center. Wie aufwändig die Bewerbung ist, hängt vom jeweiligen Programm ab. Konkrete Infos dazu findest du auf den Portalen der verschiedenen Stiftungen.

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    * Offizieller Studienführer der Stiftung für Hochschulzulassung, die für die Vergabe von NC-Studiengängen zuständig ist


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