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Was sind Ausbildungsberufe mit Zukunft?

Experteninterview über Ausbildungsberufe mit Zukunft, Bild: Katrin Staffler

In der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ im Deutschen Bundestag hat sich Katrin Staffler (CSU) als Vorsitzende der Projektgruppe 1 und Obfrau der Fraktion intensiv mit den Herausforderungen der Digitalisierung für die berufliche Bildung befasst. Stuzubi hat mit der Expertin darüber gesprochen, welche Ausbildungsberufe mit Zukunft es jetzt gibt.

Experteninterview zum Thema Ausbildungsberufe mit Zukunft

    Stuzubi: Im Lockdown haben die Hochschulen ihren Lehrbetrieb innerhalb kürzester Zeit auf Online-Formate umgestellt, die auch nach der Pandemie weiter genutzt werden sollen. Ist dieser Digitalisierungsschub in der Berufsausbildung schwächer ausgefallen?

    Staffler: Pauschal würde ich nicht sagen, dass der Digitalisierungsschub in der Ausbildung geringer gewesen wäre. Für Berufe, in denen im Lockdown nicht gearbeitet werden konnte, wie zum Beispiel in der Gastronomie oder bei Frisören, trifft das natürlich zu, aber bei Banken oder in der IT, wo die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten konnten, wurde das oft auch für die Auszubildenden gut gelöst. Auch bei der Berufsorientierung hat man schnell reagiert und es gab neue digitale Formate für Berufsmessen und Infotage, das war echt bemerkenswert.

    Daraus können wir für die Zukunft lernen. Früher waren Online-Angebote das Sahnehäubchen, jetzt merken wir, das ist ein grundlegender Baustein. Präsenz- und Online-Formate sollten in Zukunft ineinandergreifen. An der Berufsschule könnte man zum Beispiel vertiefende Online-Angebote zu Stoffgebieten schaffen, oder externe Experten digital dazuschalten. Denkbar sind für viele Ausbildungsberufe mit Zukunft  auch virtuelle Formate auch bei praktischen Aufgaben. Vor zwei Jahren war ich zum Beispiel bei einem Start-up, dort wurde mir mit einer Virtual Reality Brille und einem Joystick gezeigt und erklärt, wie man eine Heizung repariert, und ich konnte das dann, obwohl ich mich mit dem Thema vorher überhaupt nicht auskannte. Solche Lehrmethoden können ein wertvoller Teil der Ausbildung werden.

    Stuzubi: Die Digitalisierung führt zu neuen Berufsbildern. Bei den meistgewählten Ausbildungen liegen aber traditionelle Berufe wie Bankkaufmann/-frau oder Verkäufer/-in vorne. Sind das noch Ausbildungsberufe mit Zukunft, mit denen die Jugendlichen ausreichend für den Arbeitsmarkt von morgen gerüstet sind?

    Staffler: Darüber haben wir in der Enquete-Kommission viel diskutiert. Dabei geht es aber nicht nur um neue digitale Ausbildungsberufe mit Zukunft, auch die bestehenden Berufe werden immer digitaler. Bankkaufleute aus der Generation meines Vaters haben zum Beispiel noch Geldsäcke in die Filialen geschleppt, Azubis meiner Generation haben nur noch die Geldautomaten bestückt, und jetzt machen die meisten Leute ausschließlich Online-Banking, und man muss sich überlegen, wie man die Leute zum Beratungsgespräch bekommt.

    Die Arbeitswelt ändert sich so schnell, dass die Ausbildungsverordnungen nicht mehr Schritt halten können. Man kann aber nicht bei jedem neuen digitalen Tool die Ausbildungsverordnung ändern, so etwas dauert meistens mehrere Jahre. Unser Ziel ist es deshalb, einen politischen Rahmen zu schaffen, der in erster Linie Kompetenzen festlegt, die den Auszubildenden vermittelt werden sollen. Wie das passiert, und welche digitalen und technischen Möglichkeiten dazu genutzt werden, bleibt dann flexibel.

    Außerdem ist heutzutage eine Ausbildung immer nur der erste Schritt einer lebenslangen Bildungsreise. Es ist nicht mehr so, dass man einmal einen Beruf erlernt, den man dann sein ganzes Leben lang ausübt, das hat sich grundlegend gewandelt. Sich laufend weiterzubilden und auch offen dafür zu sein, vielleicht einmal etwas ganz anderes zu machen, da müssen wir hin, dann kommen wir mit der schnelllebigen Arbeitswelt auch in Zukunft gut zurecht.

    Was sind Ausbildungsberufe mit Zukunft? 1

    Stuzubi: Studien zufolge werden 2040 die meisten Menschen in sozialen Berufen und Gesundheitsberufen arbeiten. Gibt es Konzepte, um diese besonderen Ausbildungsberufe mit Zukunft für Jugendliche attraktiver zu machen?

    Staffler: Damit Berufe im Gesundheitsbereich vermehrt als Ausbildungsberufe mit Zukunft wahrgenommen werden, müssen wir die Ausbildung deutlich verbessern und reformieren. Warum junge Menschen, die sich für Berufe wie MTA, Erzieher*in oder Physiotherapeut*in interessieren, immer noch Schulgeld zahlen müssen, ist mir unklar. Das Schulgeld sollte abgeschafft und stattdessen eine allgemeine Ausbildungsvergütung eingeführt werden. Außerdem ist es wichtig, die Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten auszubauen. Um diese Berufe als Ausbildungsberufe mit Zukunft attraktiver zu machen, müssen wir Perspektiven bieten.

    Die betriebliche Ausbildung darf dabei nicht unter dem akademischen Abschluss stehen. Man muss noch mehr die Chance haben, sich auch innerhalb dieser Berufsfelder nach oben zu arbeiten, ähnlich wie beim Meister im Handwerk. Natürlich ist auch die Durchlässigkeit zum Studium ein Thema, aber Durchlässigkeit muss immer in beide Richtungen passieren, das ist mir ganz wichtig. Nicht nur eine Krankenschwester sollte die Chance haben, Ärztin zu werden. Auch jemand, der im Medizinstudium merkt, das ist nichts für mich, sollte gute Möglichkeiten in Ausbildungsberufen mit Zukunft, zum Beispiel im Pflegebereich, bekommen, ohne das als Abstieg zu sehen. Hier muss ein Switch in den Köpfen passieren.

    Stuzubi: Auch Berufe im Handwerk verändern sich durch die Digitalisierung massiv. Wie gut gelingt der Transfer dieser klassischen Berufsbilder in Ausbildungsberufe mit Zukunft? Werden das technische Wissen und die IT-Kenntnisse, die man dazu braucht, ausreichend in der Ausbildung vermittelt?

    Staffler: Ja, das lernen die Leute in den Betrieben. Es gibt kaum noch Handwerker, die nicht mit digitalen Geräten arbeiten. Ein Schreiner ist längst nicht mehr jemand, der nur Holzmöbel anfertigt. Der vermisst erstmal digital den Raum, dann baut er am Rechner 3D-Modelle, zeigt sie dem Kunden, nimmt Änderungswünsche auf, und stellt das Produkt her. Das ist alles total digital. Die Betriebe sind hier weiter als wir es in den Berufsschulen teilweise sind.

    Gleichzeitig stehen die Betriebe aber auch mit den Schulen im Austausch, und so werden neue Inhalte in den Lehrplan aufgenommen. Weil es so viele verschiedene Technologien gibt, wird auch immer mehr im Verbund gelernt. Das bedeutet, mehrere Ausbildungsbetriebe tun sich zusammen und betreiben gemeinsam Lehrwerkstätten, in denen sie die Lehrlinge ausbilden, die hier verschiedene Verfahren kennenlernen können. Davon profitieren die Auszubildenden und die Unternehmen.

    Stuzubi: Die Bewerberzahlen für Berufsausbildungen sind seit Jahren rückläufig, weil immer mehr Jugendliche sich für die Hochschule entscheiden. Gibt es vor diesem Hintergrund überhaupt noch Ausbildungsberufe mit Zukunft, oder werden duale Studiengänge das System Ausbildung irgendwann ersetzen?

    Staffler: Nein, ich glaube nicht, dass das duale Studium die Berufsausbildung verdrängen wird. Oft werden Jugendliche über ihr Umfeld wie die Eltern und die Freunde erst aufs Gymnasium und dann zum Studium gedrängt, obwohl das gar nicht das richtige für sie ist. Da muss man denke ich früh gegensteuern und schon in der Grundschule den Weg dafür ebnen, um eigene Kompetenzen zu entdecken und stolz auf die individuellen Talente zu sein. Dann kann man auch sagen, ich habe eine handwerkliche Begabung, und daraus kann ich beruflich etwas machen, dazu muss ich nicht an die Uni.

    Berufe mit Zukunft und gutem Gehalt

    Stuzubi: Immer wieder wird von der Politik die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung betont. Doch noch immer verdienen Akademiker im Schnitt mehr und werden seltener arbeitslos als Fachkräfte mit Berufsausbildung. Spricht das nicht dafür, dass ein Studium bessere Berufsaussichten bietet als eine Ausbildung?

    Staffler: Auch das war eine der großen Fragen unserer Kommission, wie man die Ausbildung wieder so attraktiv macht, dass nicht mehr alle studieren wollen. Ich denke, der Bedarf wird dafür sorgen, dass Berufsausbildungen, die im Moment vielleicht nicht so interessant erscheinen, wieder beliebter werden. Schon jetzt kriegt man beim Handwerker kaum einen Termin. Wenn ich die Betriebe frage, was ihr größtes Problem ist, sagen die unisono, sie befürchten, dass sie nicht genügend Fachkräfte finden, die die Arbeit machen. Langfristig wird sich das für Ausbildungsberufe mit Zukunft auswirken, auf die Gehälter und auch auf die Arbeitsbedingungen und damit nicht zuletzt auch auf die Attraktivität.

    Stuzubi: Warum haben Sie sich für Ihr Studium entschieden? Spielte die Frage, welche berufliche Zukunft Ihnen Ihr Abschluss ermöglicht, bei Ihrer Studienwahl eine Rolle?

    Staffler: Alles was mit Naturwissenschaften zu tun hat, fand ich schon in der Schule unglaublich spannend. Zum Beispiel im Biologieunterricht ein Hühnerei zu sezieren und herauszufinden, welche Schichten welche Funktion haben, so etwas hat mich schon immer fasziniert. Und das ist auch glaube ich nach wie vor das wichtigste, mit Begeisterung und Freude in den Beruf zu gehen. Auch heute interessieren mich Forschungsfragen noch total.

    Aber bei mir war das Studium auch nur ein erster Schritt, ich stehe jetzt nicht im Labor, sondern bin in die Politik gegangen. Unabhängig was man studiert oder welche Ausbildung man macht, der Weg ist nicht vorgezeichnet, und man hat immer die Möglichkeit, seine eigene Richtung zu finden.


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