Studium und Ausbildung bei der Feuerwehr

Ausbildung und Studium bei der Feuerwehr © Berliner Feuerwehr

Du brauchst viel Action, fühlst dich gut, wenn du Menschen helfen kannst, und ein sicherer Job ist dir wichtig? Dann hast du vielleicht auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu werden. Lucas Schilling (24) hat sich nach seinem Abi in Brandenburg für eine Ausbildung bei der Berliner Feuerwehr im mittleren Dienst entschieden. Obwohl er ursprünglich gar nicht studieren wollte, absolviert er inzwischen bei der Feuerwehr ein duales Studium. Wenn er seinen Bachelor in der Tasche hat, möchte er zurück auf die Wache – wo er dann als Einsatzstellenleiter Chef der Truppe sein wird.

Ausbildung für Feuerwehrleute

    Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau – der klassische Traumberuf kleiner Kinder. Nicht so bei Lucas. „Ich wollte als kleiner Junge Hubschrauberpilot werden“, erinnert er sich. Ein Berufswunsch, den er auch kurz vor dem Abitur noch in Erwägung zog. Beworben hat er sich dann aber bei der Berliner Feuerwehr. Wie es dazu kam? „Ein klassisches Studium stand für mich erstmal nicht zur Debatte, ich wollte etwas Praktisches machen“, erklärt er. Gleichzeitig sei er kein Bürotyp, „immer nur an einem Ort zu sein ist nichts für mich, ich brauche Abwechslung.“ Sein Stationsleiter bei der Wasserrettung Saatwinkl am Tegeler See, bei der Lucas schon als Schüler aktiv war, habe ihm deshalb die Ausbildung bei der Feuerwehr empfohlen: „Vorher hatte ich diese Möglichkeit gar nicht auf dem Schirm.“

    Assessmentcenter und Einstellungstest bei der Feuerwehr

    Um als Azubi bei der Berliner Feuerwehr anfangen zu können, musst du einen Einstellungstest bestehen. Dazu gehört ein Sporttest, bei dem du zum Beispiel Gewichte heben musst, und ein Wissenstest am Computer, bei dem unter anderem mathematische und Logikaufgaben, aber auch Rechtschreibung geprüft werden. Außerdem lösen die Bewerber*innen eine Gemeinschaftsaufgabe und stellen sich mit einer Selbstpräsentation und einem Interview vor.

    Auf den Sport- und Wissenstest habe er sich gar nicht groß vorbereitet, erzählt Lucas: „Das habe ich einfach so geschafft.“ In seine Präsentation habe er aber einigen Aufwand gesteckt. Pluspunkte sammeln könne man hier vor allem durch eine anschauliche Darstellung, verrät er: „Ich habe damals Fotos von meinen Tätigkeiten bei der Wasserrettung ausgedruckt, das kam gut an.“

    Bei der Teamaufgabe habe er zusammen mit den anderen Kandidatinnen ein Holzhaus gebaut. Für seine Bewerbung für sein duales Studium durchlief Lucas ein Assessmentcenter – das ist ein Einstellungstest für Gruppen. Die Aufgaben seien so ähnlich gewesen wie bei seiner Ausbildung: Wissenstests, Sporttests und Teamprojekte. „Es war nur alles etwas komplexer, und fürs Team gab es eine Gruppendiskussion statt eines praktischen Projekts.“

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    Grundausbildung im Handwerk

    Seine Ausbildung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst startete Lucas mit einem Schnupperpraktikum in der Wache. „Da hat man noch keine Funktion, sondern läuft erstmal nur mit, um zu sehen, ob das was für einen ist“, erklärt er. Dann ging es für anderthalb Jahre ans Oberstufenzentrum Bautechnik I (OSZ). Denn die Azubis der Berliner Feuerwehr erhalten, je nach Ausbildungsweg, eine handwerkliche Grundausbildung. Am OSZ mit seinen verschiedenen Lehrwerkstätten habe er zum Beispiel Einblicke in Handwerksberufe wie Maurer, Installateur, Elektroniker und Zimmerer kennengelernt.

    „Früher brauchte man, um bei der Feuerwehr anfangen zu können, eine Ausbildung in einem Handwerksberuf“, berichtet er. Bei dem neuen Ausbildungsmodell können Schüler*innen nun direkt nach der Schule einsteigen und lernen die erforderlichen handwerklichen Fähigkeiten innerhalb der Feuerwehrausbildung. Handwerkliche Kenntnisse sind bei der Feuerwehr zum Beispiel nötig, um die Ausrüstung zu warten und zu reparieren: Atemschutzgeräte, Schläuche, Pumpen und andere Instrumente und Werkzeuge, die für die Rettungseinsätze gebraucht werden.

    Erste Rettungseinsätze

    Nach der handwerklichen Grundausbildung begann Lucas mit seiner eigentlichen Ausbildung bei der Feuerwehr. Auf der Wache wird im Schichtdienst gearbeitet, jeweils zwölf Stunden lang. „Mit den Nachtschichten komme ich gut klar“, sagt Lucas. Wenn wenig los sei, dürfe man sich hinlegen: „Da schläft man zwar nicht so gut wie daheim, aber man kann schon ausruhen.“ Nach dem Nachtdienst sei er „schon ausgelaugt“, räumt er ein. Oft lege er sich dann aber noch für zwei bis vier Stunden hin, „und dann geht es wieder.“ Auch die Arbeit am Wochenende und an Feiertagen macht ihm bislang nichts aus. Bei Kolleginnen und Kollegen mit Familie sei das aber natürlich teilweise ein bisschen anders.

    Was ihn an dem Job auf der Wache fasziniert? „Vor allem die Abwechslung und die Praxisnähe“, erklärt er. Auch die Arbeit im Team liege ihm sehr: „Wir haben ein familiäres Umfeld, man ist nie allein. Wenn man zusammen rausfährt, das verbindet einen.“ Natürlich seien Feuerwehrleute auch mit Leid konfrontiert, man sehe Verletzte und auch Tote. Es gebe aber genauso viele schöne Momente. Immer wieder könne man Menschen helfen. Kürzlich habe er mit seiner Truppe zum Beispiel ein kleines Kind aus einer geschlossenen Wohnung befreit: „Die Familie war so froh, da weiß man dann wieder, warum man diesen Beruf macht.“

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    Dual studieren bei der Feuerwehr

    Nach seiner Ausbildung hätte Lucas sich gut vorstellen können, im mittleren Dienst in der Wache zu bleiben: „Ich hatte eigentlich Lust auf Action und wollte das umsetzen, was ich gelernt habe.“ Nach langem Überlegen und vielen Gesprächen habe er sich dann aber doch für ein duales Studium der Fachrichtung Brandschutz und Sicherheitstechnik bei der Feuerwehr entschieden. Grund dafür seien unter anderem die besseren Aufstiegsmöglichkeiten gewesen. Mit einem Studienabschluss sei der Einstieg in den gehobenen Dienst einfacher, und Positionen mit mehr Verantwortung und Führungskompetenzen leichter erreichbar. Das zeige sich dann auch in einem höheren Gehalt. „Außerdem wollte ich mein Abitur nutzen, wenn ich schon eines habe“, sagt Lucas.

    Das Studium findet hauptsächlich an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) statt. Während der ersten Semester befassen sich die Studierenden mit ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen. Denn der Studiengang Brandschutz und Sicherheitstechnik ist ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang. Das bedeutet: Unterricht in Fächern wie Mathematik, Physik oder Mechanik. „Gerade Mathe und Physik war in der Schule eigentlich gar nicht meines, ich fand das sehr trocken“, gibt Lucas zu. Jedoch sei das duale Studium der Feuerwehr technisch nicht ganz so herausfordernd wie reguläre Ingenieurstudiengänge. Technische Mechanik habe ihm sogar „viel Spaß gemacht.“ Auch gebe es immer wieder Praxisbeispiele, so dass die Theorie lebendig werde.

    Praxis mit Joystick

    In den Semesterferien findet der Praxisteil an der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie statt. Dort absolvieren die Studierenden eine Grundausbildung für den Feuerwehrdienst. Bei echten Einsätzen sind sie aber noch nicht dabei. „Das sind alles realitätsnahe Übungen“, sagt Lucas. Wie bei Löscharbeiten die Wasserversorgung aufgebaut ist, wie Brandbekämpfung funktioniert, welche Maßnahmen bei Atemschutz-Notfällen ergriffen werden – all das trainieren die Studierenden anhand von Simulationen. Ab dem fünften Semester kommt außerdem Führungslehre hinzu. Hier üben die angehenden Feuerwehrleute anhand von Planspielen und am Simulator mit dem Joystick, wie Einsätze geleitet werden – von der Planung und Taktik über die Aufstellung der Fahrzeuge bis zum Delegieren der Truppe.

    Duales Studium für künftige Führungskräfte

    Reale Einsätze erleben die Studierenden dann beim Truppmannpraktikum. Hier arbeiten sie im zwölfstündigen Schichtdienst auf der Wache mit. Feste Praxisbestandteile des Studiums sind außerdem eine Hospitanz im Büro und ein Praktikum bei einem Brandschutzbüro in der freien Wirtschaft. Erste Führungserfahrungen bietet das duale Studium beim Zugführerpraktikum, das im sechsten Semester vorgesehen ist. „Da fährt man wieder mit zu Einsätzen, ist diesmal aber als Chef mit dabei“, berichtet Lucas.

    Auch das duale Studium sei ein „toller Einstiegsweg in den Feuerwehrdienst“, schwärmt Lucas. Nach ihrem Abschluss sind die Studierenden zunächst einmal drei Jahre lang Beamte auf Probe. Das erste Jahr der Probezeit wird im Büro absolviert. Doch hatte sich Lucas nicht ursprünglich gegen einen Bürojob entschieden? „Solange es nur ein Jahr ist, sehe ich das sportlich“, meint er. Außerdem werde der Bürodienst von regelmäßigen Einsätzen als Zugführer auf der Wache unterbrochen, „damit man seine Fähigkeiten nicht verlernt.“

    In den übrigen zwei Jahren der Probezeit arbeiten die Hochschulabsolvent*innen als Wachabteilungsleiter*innen auf der Wache – ebenfalls im Schichtdienst. In dieser Funktion übernehmen sie eine Führungsposition für 14 bis 16 Mitarbeiter*innen. Sie teilen Personal ein und erstellen Dienstpläne, organisieren Fortbildungen und sind für die Ausbildung zuständig. Rückt die Feuerwehr aus, fahren sie als Staffelführer*in mit, erkunden die Einsatzstelle, planen den Ablauf und erteilen der Truppe ihre Befehle.

    Beamte auf Lebenszeit

    Auf seine Rückkehr in den Feuerwehrdienst auf der Wache freut sich Lucas schon heute. „Am liebsten würde ich länger bleiben als die vorgesehenen zwei Jahre“, verrät er. Ist die dreijährige Probezeit geschafft, wird Lucas Beamter auf Lebenszeit sein. Wie es dann für ihn weitergeht? „Ich weiß noch nicht genau, vielleicht mache ich berufsbegleitend oder im Fernstudium noch meinen Master“, sagt er. Ebenso gut könne er sich aber vorstellen, ohne weiterführendes Studium als Feuerwehrmann zu arbeiten: „Das ist einfach ein erfüllender Job.“


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